AGEV - Arbeitsgemeinschaft Ernährungsverhalten e.V.

Aktuelles

 

 

Mahlzeitenpolitik
Zur Kulturökologie von Ernährung und Gender


Hrsg. von Parto Teherani-Krönner & Brigitte Hamburger
Band 8 der Edition Humanökologie im oekom Verlag, München
ISBN-13: 978-3-86581-688-7, 254 Seiten, 34,95 €


Aus dem Inhalt:
Wir ernähren uns nicht von Rohprodukten, sondern meist von zubereiteten Mahl- zeiten – und wir essen fast immer in Gemeinschaft. Trotzdem werden notwendige
Arbeitsschritte, erforderliche Techniken sowie die sozialkommunikativen und kulturellen Dimensionen der Ernährung viel zu selten beachtet. Auch bleiben öko- logische Aspekte und die bedeutende Geschlechterordnung meist unberücksichtigt. Mit einem human- und kulturökologischen Ansatz plädieren die Herausgeberinnen für einen Paradigmenwechsel in der Ernährungsdebatte und führen die Begriffe der Mahlzeitenpolitik und Mahlzeitenkultur ein. Über Disziplingrenzen hinweg werden so neue Zugänge zum Thema Ernährung eröffnet: Vom indigenen Gemüse über Genderaspekte der Subsistenzwirtschaft bis zur Spiegelung des Ernährungswissens in Sprichwörtern schlagen sie den Bogen von der Ernährungssicherheit zur Mahl- zeitensicherheit. Damit ergeben sich neue Perspektiven für eine nachhaltige Er- nährung der Zukunft.

 

Hrsg. von Parto Teherani-Krönner & Brigitte Hamburger
Band 8 der Edition Humanökologie im oekom Verlag, München
ISBN-13: 978-3-86581-688-7, 254 Seiten, 34,95 €

 


 

 

CFP
Gender, Ernährung und Gesundheit

Gegenwärtige Fragestellungen und historische Annäherungen

Veranstalter: Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung
Datum, Ort: 25. bis 26. Juni 2015, Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung, Stuttgart
Deadline: 15.02.2015


Menschliche Ernährungsgewohnheiten werden durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst. Neben ökonomischen Umständen und der bloßen Verfügbarkeit von Lebensmitteln sind medizinische sowie kulturelle und soziale Faktoren ausschlaggebend für die Entstehung individueller Ernährungspräferenzen. Insbesondere Geschlechtervorstellungen hatten und haben das Potenzial, die Ernährungsgewohnheiten von Menschen zu beeinflussen. Historisch betrachtet gibt es viele Beispiele für Lebensmittel, die phasenweise eher der weiblichen oder eher der männlichen Konsumkultur (und Physiologie) zugeschrieben wurden (z. B. Alkohol, Fleisch, Zucker, Kaffee). Auch Erfahrungen von Hunger und Übersättigung werden zum Teil geschlechtsspezifisch thematisiert. Während Magersuchterkrankungen in der öffentlichen Wahrnehmung eher weiblich konnotiert sind, wird Übergewicht häufig als männliches Leiden thematisiert. Im Hintergrund solcher Zuschreibungen standen auch medizinisch-diätetische Modelle und Vorstellungen von einer „Physiologie des Geschmacks“, wie es Jean Anthèlme Brillat-Savarin im frühen 19. Jahrhundert ausdrückte. Oft bleibt jedoch unklar, wie bedeutend der Einfluss wissenschaftlicher Aussagen auf die Erzeugung geschlechtsspezifischer Ernährungsideale war und inwieweit diese in der Praxis überhaupt zur Anwendung kamen.

Im Rahmen der Tagung sollen verschiedene Themen aus dem Spannungsfeld Gender, Ernährung und Gesundheit in historischer Perspektive diskutiert werden. Folgende Fragekomplexe bieten sich für eine nähere Betrachtung beispielsweise an:


1. Medizinisch-diätetische Konzepte und kulinarische Praktiken:

Wie unterschieden sich Ernährungsgewohnheiten von Männern und Frauen in bestimmten Epochen, sozialen Kontexten und Kulturen? Welchen Einfluss hatten medizinisch-diätetische Konzepte und gesundheitliche Überlegungen auf Ernährungspraktiken? Welche Nahrungsmittel waren wann und wo besonders stark geschlechtsspezifisch markiert und welchen Anteil hatte die medizinische Forschung daran?


2. Gesunde Ernährung und geschlechtliche Identitäten: Welche Bedeutung kam der Ernährung als geschlechtsspezifischer Subjektivierungspraktik zu und welchen Stellenwert nahm dabei das Thema „Gesundheit“ ein? Welche subversiven Esskulturen gab es im Spannungsfeld von Gesundheit und Geschlecht? Wie überschnitten sich geschlechtsspezifische Ernährungsideale mit anderen identitätsstiftenden Kategorien?


3. Körpervorstellungen und Geschmackserfahrungen: Welche Körpererfahrungen und -vorstellungen waren mit bestimmten Ernährungsnormen und -praktiken verbunden? Inwiefern kann die Ernährung als eine körperliche Praxis zur Darstellung von Geschlecht im Sinne eines Doing Gender interpretiert werden? Welche Assoziationen bestanden zwischen pathologisierten Körpern und geschlechtsspezifischen Ernährungsidealen?
Neben diesen Aspekten sind weitere Ansätze und Themen denkbar und willkommen. Der Untersuchungsfokus ist weder zeitlich noch räumlich beschränkt. Präferiert werden Beiträge mit sozialhistorischer Perspektive. Die Tagung soll jedoch ausdrücklich einen interdisziplinären Austausch ermöglichen. Gewünscht ist darüber hinaus die Diskussion methodischer Zugänge und quellenbedingter Herausforderungen.
Für jeden Beitrag stehen 45 Minuten zur Verfügung, 20 Minuten für den Vortrag und 25 Minuten für die Diskussion. Die Tagungssprache ist Deutsch, einzelne Vorträge können auch auf Englisch gehalten werden. Bahnreise- und Aufenthaltskosten können übernommen werden.
Abstracts von etwa 400 Wörtern Länge sollen die Fragestellung, Methoden und Quellen enthalten. Darüber hinaus wird um kurze Angaben zur Verfasserin bzw. zum Verfasser gebeten.

Bitte schicken Sie die genannten Unterlagen bis spätestens 15. Februar 2015 per Post oder E-Mail an Dr. Ole Fischer, Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung, Straußweg 17, 70184 Stuttgart bzw. ole.fischer@igm-bosch.de.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden bis zum 15. März 2015 benachrichtigt.

 

 

 

 

 

 

CfP AG Kulinarische Ethnologie - DGV Tagung 2015

Call for Paper

Ernährungskulturen in der Krise. Authentizität und Krise in der kulinarischen Ethnologie
Workshop der AG Kulinarische Ethnologie
auf DGV-Tagung 2015
Krisen. Re-Formationen von Leben, Macht und Welt
30.9. – 3.10.2015 an der Philipps-Universität Marburg
 
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Versteht man Krisen als Infragestellungen oder Umbrüche bestehender Werte oder Wertsysteme, kann man gleichsam von Krisen kulturspezifischer Küchen oder Ernährungsweisen sprechen. Unabhängig von den Ursachen, verlangen solche Krisen danach, gewohnte Diätiken und Ernährungsregime neu zu verhandeln. Dabei ist ein bis zur Widersprüchlichkeit reichender Pluralismus keine Seltenheit, der nicht zuletzt in der Verunsicherung dar-über fußt, wie man sich richtig ernähren soll. Doch wie und wer entscheidet darüber? Wie werden in diesem Kontext Infragestellungen und Umbrüche jenseits gesundheitlicher und gesellschaftspolitischer Kontexte diskursiviert? Welche Rolle spielen Veränderungen von Körperkonzeptionen, die für Ernährungskulturen von zentraler Bedeutung sind? Worauf bezieht sich „Krise“ im Bereich des Kulinarischen überhaupt? Um welche Krise von was geht es?
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Wie im Bereich der Musik oder bildenden Künste spielt auch im Kontext von kulinarischen Transformationsprozessen der Begriff der Authentizität eine zentrale Rolle. Folgt man Arjun Appadurais Essay „On Culinary Authenticity“ (1986), manifestieren sich im Begriff der kulinarischen Authentizität normative Vorstellungen. Er stellt jedoch fest, dass es sich um ein etisches Problem, nämlich den Zweifel an der Echtheit bzw. Ungebrochenheit einer fremden kulinarischen Tradition handelt. Als Problem trete Authentizität sodann erst im Kontext von bereits stattgefundenen Veränderungen auf. Kulinarische Authentizität, traditionelle Küche und richtige Ernährung existieren demnach nur in der Retrospektive, d.h. scheinbar erst aus dem Moment der Krise heraus.
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Der Workshop befasst sich mit Forschungsarbeiten, die diesen Zusammenhang von Authentizität und soziokulturellen wie gesellschaftspolitischen Transformationsprozessen betreffen.
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Wenn Sie sich für einen Vortrag bewerben wollen, schicken Sie bitte bis spätestens 15.2.2015 sowohl einen Abstract mit maximal 1.200 Zeichen (inkl. Leerzeichen) als auch eine Kurzversion von nicht mehr als 300 Zeichen (inkl. Leerzeichen) direkt an kofahl@apek-consult.de
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Daniel Kofahl Bettina Mann Sebastian Schellhaas
SprecherInnen der AG Kulinarische Ethnologie (DGV)
 
Quelle: http://kulinarische-ethnologie.dgv-net.de/termine.html

 

32. wissenschaftliche Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Ernährungsverhalten - AGEV

Die 32. wissenschaftliche Jahrestagung der AGEV Arbeitsgemeinschaft Ernährungsverhalten e.V. zieht eine Bilanz zehn Jahren nach der Agrarwende und zeigt Perspektiven für eine gesundheitsförderliche und zukunftsfähige Ernährung auf.


Das Tagungsprogramm

Das Programm der Tagung hier zum Download Link


Pressemitteilung 32. wissenschaftliche Jahrestagung der AGEV Arbeitsgemeinschaft Ernährungsverhalten e.V.

Jetzt zum Download verfügbar.


Im Vorfeld der diesjährigen AGEV Tagung führte der Weserkurier mit dem Vorsitzenden der AGEV Uwe Spiekermann ein Interview über die Agrarwende. Sie können das Interview hier lesen.

Pressebeitrag vom 04. Juli in der FAZ: Künast verlangt "Feuer" von der Wissenschaft

 

Hier können Sie sich die Beiträge zur 32. Jahrestagung der AGEV ansehen:

 

Call for Papers: Obesity, Health, and the Liberal Self: Transatlantic Perspectives on the Late Nineteenth and the late Twentieth Centuries

September 26-28, 2013
Conference at the German Historical Institute Washington, DC
Conveners: Nina Mackert/Jürgen Martschukat (University of Erfurt), Susan Strasser (University of Delaware), Uwe Spiekermann (GHI)

 

Obesity has been identified as an important contemporary social and cultural problem in many European countries and the United States. Often described as an epidemic, obesity is perceived as a major threat to the health and wellbeing of individuals. At the same time, obese individuals are often perceived as lazy and incapable of making the right choices or of taking care of themselves. Self-responsibility is always linked with the underlying idea that a rational subject will make the right choices to secure the needs of the body and to remain a fit and productive citizen. The proposed conference seeks to historicize these observations. It wants to investigate the interwoven histories of food, health, and the modern self from a transatlantic perspective. By comparing perceptions and practices, we aim to explore the social and cultural embeddedness of the interconnections between the body, health, fat, and food in the late nineteenth and late twentieth century. During the Nineteenth century, a capable and efficient body came to be understood as an indicator of the individual’s ability to function properly as a liberal subject. A new socio-cultural order, rooted in the Enlightenment, rested upon the idea of a free, rational, self-governing subject that acted wisely and in compliance with liberal paradigms. A culture of advice emerged that assisted people in navigating the pitfalls of liberal society and in avoiding “wrong” choices. Medicine and nutritional science established themselves as scientific disciplines and were accepted as the guarantors of a healthy living. Individual deviance was widely discussed and, generally, denounced. At the same time, a growing market of interventions for the best of both individual and society was established. Large groups of people – women, non-whites, immigrants, the lower classes – were denied full autonomy and on account of their alleged inability to act in compliance with the requirements of liberal society. This conference seeks to address the self-definition of modern societies in the fields of obesity, health, and eating. It will compare discourses and practices during the period 1880–1920 with those of the late twentieth century (1970 to the present). We would prefer papers with a transnational/transatlantic perspective but welcome innovative case studies covering American and European history as well. Class, gender, and race issues should be reflected in all contributions. We are especially interested in the following topics:
  • Discourses on the “healthy” body and its management by eating and exercises
  • Scientification and professionalization of the definition of fit/unfit and productive/unproductive people
  • Commodification of the “normal” and/or “ideal” body, including the creating of new service markets and commodities
  • Exclusion and inclusion based on the dominant ideas of a particular vision of the body
  • Individualism, rational choice, and the principals of modern liberal societies
As the study of food and eating practices is highly interdisciplinary, we are looking for scholars from a variety of disciplines in historical, social, and cultural studies. We also hope that nutritionists and medical experts can contribute to these topics.
Those interested should send an abstract of 1,000-1,500 words and a one-page CV to Susanne Fabricius (Fabricius@ghi-dc.org) by March 15, 2013, with invitations to be sent out by April 15, 2013. Full papers or longer abstracts are due by September 1, 2013.

For further information please contact Uwe Spiekermann (Spiekermann@ghi-dc.org) or one of the co-convenors.

 


 

 


Call for Papers und Einladung zum Workshop

des (Agro-)Food Netzwerkes

"Zur Neuorientierung der Ernährungsdebatte: ZWischen Bestrebungen, Ausdifferenzierung und Integration"

17.-18. September 2012, am Zentrum Technik und Gesellschaft der TU Berlin


Ernährung ist ein Grundbedürfnis aller Menschen; sie müssen sich ernähren, um zu überleben. Dabei scheint ihre existenzielle Bedeutung in der Wohlstandsgesellschaft nahezu vergessen, wenn heute zu jeder Zeit, an jedem Ort und simultan zu anderen Tätigkeiten dieses Bedürfnis befriedigt werden kann.

Vor allem die Agrarproduktion steht im engen Zusammenhang mit Ernährung. So stellte Max Weber (1921) bereits fest, dass der täglich wiederkehrende Zwang, sich um Nahrung kümmern zu müssen, der Antrieb stetigen Arbeitens und damit Ursprung allen Wirtschaftens ist. Doch ist Ernährung heute weit mehr als bloß die Produktion von Nahrungsmitteln. Die Ernährung hat sich zu einem gigantischen Produktionszweig entwickelt, der global vernetzt ist und die gesamte Kette der Verwertung abdeckt. Agrarische Rohprodukte werden immer weiter raffiniert, Nahrungsmittel und damit auch -bedürfnisse kreiert, die vormals undenkbar waren. Das Thema Essen aber reicht heute weit über die Nahrungsaufnahme hinaus. Orte, Sitten, Anlässe, Gegenstände, die sich bis in den Freizeitbereich als Semiprofessionalisierung erstrecken, werden von Debatten um allgemeine Gesundheit und Ernährungsrisiken (wie z. B. Adipositas und Übergewicht) begleitet. Vor diesem Hintergrund lässt sich Ernährung in Anlehnung an Marcel Mauss (zuerst 1923/24) als „gesellschaftliches Totalphänomen“ beschreiben. Denn das Ernährungshandeln hängt mit allen anderen Lebensbereichen zusammen, die nicht isoliert werden dürfen, wenn das Totalphänomen Nahrung begriffen werden soll. „In diesen ‘totalen’ gesellschaftlichen Phänomenen kommen alle Arten von Institutionen gleichzeitig und mit einem Schlag zum Ausdruck: religiöse, rechtliche und moralische [...]; ökonomische [...]; ganz zu schweigen von den ästhetischen Phänomenen [...]“ (Mauss 1968: 17-18).

Im Zuge der Moderne und mit dem Aufkommen einer funktional differenzierten Gesellschaft haben sich die unterschiedlichen Bereiche der Ernährung immer weiter auseinander entwickelt und dabei doch immer stärkeren Bezug aufeinander genommen. Zentrale Schritte hierbei waren vor allem die zunehmende Trennung von Nahrungsmittelproduktion und Lebensmittelkonsum, die Trennung im akademischen Bereich in Agrar- und Ernährungswissenschaft und der naturwissenschaftlichen und sozialwissenschaftlichen Betrachtung sowie die Ausdifferenzierung eigenständiger Politikfelder, der Agrarpolitik und Ernährungspolitik sowie die umfassende Ästhetisierung der Ernährung, die weitere soziale Ungleichheiten provozierte. Diese Entwicklung ist einerseits mit hochgradigen Rationalisierungsgewinnen durch Spezialisierung verbunden. Andererseits ist diese Entwicklung durch Dysfunktionalitäten gekennzeichnet, die vor allem in den letzten Jahrzehnten im Kontext von Risiko- und Krisendiskursen thematisiert wurden. Lebensmittelskandale, wie BSE oder Gammelfleisch, gesundheitliche und ökologische Auswirkungen des sogenannten westlichen Ernährungsstils, der verschwenderische Umgang mit Nahrungsmitteln bei gleichzeitigem Hunger in der Welt, sind Themen gesellschaftlicher Debatten (wie die um Nachhaltigkeit), die allesamt eine Integration der getrennten Bereiche der Ernährung und Agrarproduktion und der unterschiedlichen natur-, kultur- und sozialwissenschaftlichen Perspektiven auf Ernährung anempfehlen. Häufig werden in diesem Zusammenhang auch eine Entfremdung der KonsumentInnen von der Herkunft und Erzeugung von Lebensmitteln, herrschendes Misstrauen und eine Verunsicherung beklagt. Die Kritik hieran formiert sich in vielfältiger Form, wie Protestbewegungen, Interessenorganisationen (z. B. Food Watch, Slow Food) und zivilgesellschaftlichem Engagement. Auch auf politischer Ebene lassen sich Versuche einer Integration beobachten, wie die Stärkung der Verbraucherpolitik auf EU-Ebene und der politische Vorstoß zu einer „Agrarwende“ in Deutschland.

Der Workshop verfolgt vor dem skizzierten Problemhintergrund das Ziel, die unterschiedlichen Bestrebungen einer Integration im Kontext von Risiko- und Krisendiskursen näher zu analysieren und ihr Potenzial für eine strukturell tragfähige und längerfristige Verschränkung der getrennten Bereiche und Perspektiven auszuloten. Hierzu sollen folgende Fragen diskutiert werden:

• In welchen gesellschaftlichen Diskursen und Debatten wird die Trennung der Bereiche Ernährung und Agrarproduktion sowie unterschiedlicher natur-, kultur- und sozialwissenschaftlicher Perspektiven thematisiert und problematisiert? An welchen Krisenphänomenen wird die Trennung der Bereiche und Perspektiven deutlich?

• Wie lassen sich sozial- und kulturwissenschaftliche mit den naturwissenschaftlichen Perspektiven im Sinne einer Neuorientierung verbinden? In welchen gesellschaftlichen Entwicklungen schlagen sich bereits integrative Perspektiven und Bestrebungen nieder?

• Welche Beiträge leisten die Gender Studies zur Neuorientierung der Ernährungsdebatte?

• Wie werden diese Integrationsbestrebungen theoretisch-konzeptionell durch die Wissenschaft beschrieben? Welche Ansätze gibt es hierfür?
• Welche Wirkungen sind hiermit für Ernährung als „gesellschaftliches Totalphänomen“ verbunden?

Der Workshop richtet sich an interessierte WissenschaftlerInnen unterschiedlichster Disziplinen und im Bereich Ernährung involvierte Personen und lädt dazu ein, sich mit einem eigenen Beitrag zu den genannten oder auch weiterführenden Fragestellungen an der Diskussion zu beteiligen. Hierzu sind sowohl theoretisch als auch stärker empirisch orientierte Beiträge erwünscht.

Call for Papers
Abstracts von 1 Seite (cirka 3.000 Zeichen incl. Leerzeichen) sind bis zum 15. Juli 2012 an die Veranstalterinnen des Workshops zu senden. Eine Rückmeldung über die Annahme der Beiträge erfolgt bis zum 17. Juli 2012.
Anmeldung zum Workshop
Bitte melden Sie Ihre Teilnahme am Workshop bis spätestens 25. Juli 2012 an. Da wir nur über eine begrenzte Anzahl von Plätzen verfügen, ist eine frühzeitige Anmeldung zu empfehlen. Das detaillierte Workshop-Programm liegt ab dem 18. Juli 2012 vor. Für die Teilnahme am Workshop wird ein Unkostenbeitrag von 35 Euro (ermäßigt 20 Euro) erhoben. Veranstalterinnen
Dr. Jana Rückert-John Dr. Parto Teherani-Krönner Prof. Dr. Dr. Martina Schäfer Gender und Globalisierung Zentrum Technik und Gesellschaft Humboldt Universität Berlin der TU Berlin Landwirtschaftlich-Gärtnerische Fakultät rueckert-john@ztg.tu-berlin.de parto.teherani-kroenner@agrar.hu-berlin.de

 

 


 

 


Ad-hoc-Gruppe auf dem 36. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, Bochum / Dortmund (1.-5. Oktober 2012)

Call for Papers

Moderne Ernährung zwischen Vielfalt, Komplexität und Partikularismus
Ad-hoc-Gruppe auf dem 36. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, Bochum / Dortmund (1.-5. Oktober 2012)

Die gegenwärtige Gesellschaft ist durch kulturelle Vielfalt gekennzeichnet. Dies trifft auch auf den Bereich der Ernährung zu. Ernährung wird durch die Beseitigung von Hunger nicht schon unproblematisch; seit der Globalisierung erscheint sie hochgradig kontingent als ein Feld von Entscheidungsprozessen, bei denen gegebenenfalls „die günstigste Wahl verfehlt werden kann“ (Luhmann 1987). Dies schlägt sich in dem paradoxen Zustand nieder, dass bei zunehmenden Informationsmöglichkeiten sich dennoch immer mehr Unsicherheiten in Bezug auf die „richtige“ Form der Ernährung ausbreiten. Miteinander konkurrierende Ernährungsstile und widersprüchliche Ernährungsrichtlinien sorgen dafür, dass sich die Binnenkomplexität des Ernährungsdiskurses zwischen genussorientierter Vielfalt und bedrohlicher Überforderung durch Komplexität entfaltet.

Das Ernährungshandeln gerät dabei in den Fokus diverser sozialer Akteure aus Medizin, Ökonomie, Politik und Recht, aber auch Religion und Kunst. Zwischen „Eat Art“ und Halal, zwischen Öko-Lebensmitteln und Novel-Food wird nach Distinktionsmerkmalen einerseits, aber auch nach gegenseitigen Anschlussmöglichkeiten andererseits gesucht.

Ernährung ist aber nicht nur ein soziales Phänomen auf Mikro- oder Mesoebene. In der Debatte werden heute eine Vielzahl von Folgeproblemen für die globale Gesellschaft gesehen, die sich aus einer unreflektierten Ernährungsweise ergeben können, wie etwa die volkswirtschaftliche Bedeutung von Ernährungsstörungen oder externalisierte, ökologische Kosten bei der Lebensmittelproduktion. Gleichzeitig wird immer wieder versucht, die Vielfalt der modernen Ernährung zu reduzieren. Dafür werden imperative Aussagen über vermeintlich richtige, anständige und korrekte Ernährungsformen mit universellem Gültigkeitsanspruch formuliert, deren Negativfolie als zügelloser Ernährungspartikularismus erscheint. Doch hat dies einen paradoxen Erfolg: Durch die Postulierung einer unüberschaubaren Vielzahl von Ernährungsstilen wächst die Komplexität der Ernährung mit jeder neuen (Re)Formulierung weiter an.

Die komplexe Vielfalt der Ernährung, die sich auch in zahllosen Publikationen in allen Kommunikationsmedien (wie Printmedien, Fernsehen, Internet, Apps) kommunikativ wiederfindet, zeigt sich auf differenzierten Ebenen, die es zu diskutieren gilt. Die Diskussion im Rahmen der Ad-hoc-Gruppe, die sich im Schwerpunkt ernährungssoziologisch verortet, soll sich vor dem skizzierten Hintergrund mit folgenden Fragen befassen:

- Welches Angebotsspektrum an Lebensmitteln wird von Individuen oder sozialen Gruppen erwartet bzw. welche und wie viele Informationen erwarten Konsumenten zu von ihnen präferierten Lebensmitteln? Wie verfährt die Gesellschaft mit der paradoxen Erwartungshaltung, die komplexe Vielfalt an verfügbaren Informationen zu reduzieren und gleichzeitig durch das Bereitstellen von „mehr“ oder nochmals „anderen“ Informationen die Komplexität der Ernährung innerhalb der Gesellschaft weiter zu steigern?
- Wer besitzt hegemoniale Deutungshoheiten bzw. wer beteiligt sich an diskursiven Kämpfen um die Deutungshoheit in Bezug auf die Fragen, was eine „gute“ (respektive „schlechte“) oder „richtige“ (respektive „falsche“ Ernährung) ist bzw. wie eine solche realisiert werden soll?
- Wie vermag sich die Gesellschaft auf die Vielfalt und Komplexität der Ernährung einzustellen und welche Perspektiven hält die Soziologie für die Beobachtung der Ernährung bereit?
Hierzu werden Abstracts von 1-2 Seiten bis zum 6. Mai 2012 an die Organisatoren der Ad hoc Gruppe erbeten.

Organisation

Dipl.-Soz. Daniel Kofahl
Universität Kassel
FG Ökologische Lebensmittelqualität und Ernährungskultur
Nordbahnhofstr. 1a
37213 Witzenhausen
Tel.: 05542 981717
Kofahl@uni-kassel.de

Dr. Jana Rückert-John
Zentrum Technik und Gesellschaft (ZTG) der TU Berlin
Bereich Landnutzung und Konsummuster
Hardenbergstraße 16-18
10623 Berlin
Tel.: 030 314-24855
rueckert-john@ztg.tu-berlin.de

 

 


 

 



Zwischen Sorgen und Chancen. Ernährung im Alter

Eine der großen Herausforderungen für unsere Gesellschaft ist die demographische Entwicklung, die mit einer erheblichen Zunahme der über 65jährigen verbunden ist. Damit sind grundlegende Veränderungen unserer Gesellschaft verbunden, weil sich Bedürfnislagen in breitem Umfang verschieben. Dabei ist keineswegs ausgemacht, wie die Bedürfnisse auf lange Sicht aussehen werden, denn auch die älteren Menschen verändern sich. Der Lebensstil der Siebzigjährigen von heute hat nur noch wenig gemein mit dem Lebensstil des Siebzigjährigen um 1900 und auch der ältere Mensch von morgen wird ein anderer sein als heute. Dass alle Menschen altern, ist eine Tatsache. Die Frage ist allerdings, wie wir es tun, ob wir es schaffen, das Alter als Teil des Lebens zu akzeptieren und das Altern mit Gelassenheit als Teil eines gelungenen Lebens zu begreifen. In diesem Prozess ändert sich auch die Ernährung.

Diese Veränderungen werden gegenwärtig vor allem unter dem Aspekt der Mangelernährung diskutiert. Gemeint ist damit dann zumeist eine Unterversorgung der Bewohner von Altenheimen. „Mangel“ kann sich aber auch auf die sozialen Aspekte des Essens beziehen, die im Alter infolge zurück gehender Selbstbestimmung verloren gehen können. Vor dem Hintergrund ihres Verständnisses, dass Ernährung nicht nur dem körperlichen Wohlbefinden dient, sondern auch Ausdruck von Selbstbestimmung ist und soziale Einbindung stiftet, will die AGEV auf der kommenden Tagung diesen bislang weniger diskutierten Bereich beleuchten. Dabei kann es nicht nur um eine Situationsbeschreibung oder –analyse gehen.

Ziel soll vielmehr sein, Chancen und Perspektiven für die Schaffung von Ermöglichungsräumen auszuloten, die nicht nur eine physiologisch ausreichende Ernährung, sondern ein subjektiv als befriedigend erlebtes, selbst bestimmtes Essen sicherstellen.



Tagung zum Thema "Ernährung im Alter. Probleme, Chancen und Perspektiven"

Derzeit plant der AGEV-Vorstand eine Tagung zum Thema "Ernährung im Alter. Probleme, Chancen und Perspektiven", die voraussichtlich im Frühjahr 2012 stattfinden soll. Weitere Informationen folgen in Kürze.




Sonderheft "Consumer Policy" online

Unter folgendem Link können Berichte des Journals "Consumer Policy" zum Thema Verbraucherschutz gedownloadet werden (englisch):

www.spaef.com



Nachruf

Die Arbeitsgemeinschaft Ernährungsverhalten e.V. (AGEV) nimmt Abschied von Prof. Dr. rer. nat. Dipl.–Psych. Volker Pudel. Seinen wissenschaftlichen Arbeiten ist es zu verdanken, dass die besondere Bedeutung von Psychologie und Verhaltensforschung für ein umfassenderes Verständnis des menschlichen Essverhaltens und Essalltags deutlich geworden ist. Herr Prof. Dr. Pudel hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die psychologische Ernährungs- und Verhaltensforschung in der Ernährungswissenschaft verankert wurden und die Ernährungswissenschaften sich zu einem interdisziplinären Forschungsbereich entwickelt haben. Herr Prof. Dr. Pudel war Gründungsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Ernährungsverhalten und von 1979 bis 1981 auch ihr erster Vorsitzender.
Herr Prof. Dr. Pudel brachte das Thema Ernährungsverhalten durch seine Vorträge, seine Medienpräsenz und seine innovativen Forschungsansätze ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit, wobei er oftmals für die Wissenschaft neue und ungewöhnliche Wege beschritt. Er verstand es, Studierende und junge Wissenschaftler für diesen Ansatz in der Ernährungswissenschaft zu begeistern. Hierfür danken wir ihm.

Der Vorstand AGEV e.V
Prof. Dr. Angelika Ploeger, Prof. Dr. Eva Barlösius, Priv. Doz. Dr. Uwe Spiekermann, Regine Rehaag, Dr. Margret Büning-Fesel

 

Sonderheft "Consumer Policy" online

Unter folgendem Link können Berichte des Journals "Consumer Policy" zum Thema Verbraucherschutz gedownloadet werden (englisch):

www.spaef.com



Stiftungsprofessur Verbraucherrecht

Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) hat im Bundesanzeiger (Nr. 38 vom 11. März 2009; S. 893) eine Bekanntmachung zur Förderung der Einrichtung einer Professur für Verbraucherrecht veröffentlicht. Mit der Abwicklung des Förderverfahrens hat das BMELV die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, Referat 514, 53168 Bonn, beauftragt.
Der Bekanntmachungstext ist über die Homepage des BMELV (unter Service/Ausschreibungen) und unmittelbar über die Homepage der BLE abrufbar. Anträge können von Universitäten mit Sitz in Deutschland mit rechtswissenschaftlicher Fakultät gestellt werden, deren Abschluss (1.Staatsexamen) zur Aufnahme in den juristischen Vorbereitungsdienst qualifiziert. Auskünfte erteilt die BLE unter der Telefonnummer 0228-6845-3460.

 


 

Die AGEV richtet sich an...

  • Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
  • Studentinnen und Studenten
  • Multiplikatorinnen und Multiplikatoren
  • alle, die sich über Ernährung und Essen fundiert informieren möchten.

Die AGEV informiert über ...

  • das Ernährungsverhalten und die Esskultur verschiedener Bevölkerungsgruppen
  • Auswirkungen des Essverhaltens, der Ernährung und des Essens auf Gesundheit, Wohlbefinden und Umwelt
  • Projekte, Programme und Kampagnen
  • Forschungsschwerpunkte und Forschungseinrichtungen.

Die AGEV ...

  • führt regelmäßig wissenschaftliche Tagungen durch
  • fördert den Austausch zwischen Forschung und Praxis
  • veröffentlicht Tagungsbände und andere Fachpublikationen
  • nutzt als Wissensplattform diese Website.

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