AGEV - Arbeitsgemeinschaft Ernährungsverhalten e.V.

Die EVA-Studie: Ernährungsverhalten im Lebenslauf von älteren Frauen

Christine Brombach, Justus-Liebig-Universität Gießen

Ernährungsverhalten älterer Menschen wird durch lebenslange Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Normen und Werten einerseits und individuellen Nahrungs- und Geschmacksvorlieben sowie biografisch bedingte Einflussfaktoren anderereseits geprägt. Der Einfluss von "Ernährungsbiografie", der Esserziehung in der Kindheit als auch der gesellschaftliche Entstehungskontext auf das aktuelle Ernährungsverhalten sind in der Erforschung des Ernährungsverhaltens bislang kaum berücksichtigt worden.
 
Mittels qualitativer Interviews wurden 60 Frauen zwischen 65 und 94 Jahren aus dem Raum Giessen zu ihrem Ernährungsverhalten befragt. Die Interviews wurden in vollem Wortlaut transkribiert und ausgewertet. Die Analyse ergab, dass es vor allem zwei Bereiche sind, die das heutige Ernährungsverhalten bestimmen: die in der Kindheit erfolgte "Esserziehung" und heute als wichtig erachtete gesundheitliche Faktoren. Empirisch können vier "Esstypen" mit einem jeweils gemeinsamen "Grundernährungsmuster" abgeleitet werden. Ernährungsverhaltensänderungen, wie der Übergang von einem "Esstyp" zu einem anderen traten im Lebensverlauf nur auf:

  • Bei Heirat, wenn der Partner einen anderen "Esstyp" hatte
  • Bei eigener Krankheit oder Erkrankungen des Partners
  • Bei Angst vor möglichen Erkrankungen oder bei Wunsch nach "besserer, gesünderer" Ernährungsweise.
Schlussfolgerungen:
Beratungsstrategien müssen den (Eß)Alltag (die Lebenswelt) von älteren Menschen berücksichtigen, da nur so eine Erschließung von Denkmustern, Einstellungen im Hinblick auf ihr Ernährungsverhaltens möglich ist. Folgende Aspekte sind für die Entwicklung von Beratungsstrategien für ältere Menschen wichtig: Durch biografische, lebensgeschichtliche Untersuchungen lassen sich langfristige Einflussfaktoren auf das Ernährungsverhalten darstellen, da diese Einflüsse an das Lebensalter gekoppelt sind. Die Auswirkungen von historischen, gesellschaftlichen sowie kulturellen Einflussfaktoren auf Ernährungsverhalten lassen sich bei älteren Menschen beobachten, da diese auf eine lange individuelle Eßerfahrungszeit zurückblicken.


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