AGEV - Arbeitsgemeinschaft Ernährungsverhalten e.V.

Auswirkungen des Ernährungsverhaltens auf die Gesundheitssituation von Kleinkindern

Die Ernährungssituation der Kleinkinder ist noch als gut zu bezeichnen, doch es werden negative Tendenzen zur Übergewichtigkeit deutlich, die auf Zuviel-Essen und Zu-Wenig-Bewegung zurückzuführen sind.


Körperliche Entwicklung

Die Ernährungssituation von Kleinkindern, also zwischen dem Säuglingsalter und dem Schuleintritt, lässt sich am besten durch die körperliche Entwicklung beschreiben. Dazu gibt es internationale Referenzwerte. Diese sind für den europäischen Rahmen durch die Weltgesundheitsorganisation zusammengestellt. Seit kurzem gibt es auch neueste Zusammenstellung durch die Euro-Growth Study Group, an denen das Dortmunder Forschungsinstitut für Kinderernährung beteiligt war. Dieses bietet auch die umfassenden Informationen in diesem Bereich (http://www.fke.uni-dortmund.de/, Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition 2000). Wie bei Säuglingen sind auch bei Kleinkindern Biopsie-Materialien wie Blut und Harn möglich, werden aber aus verschiedenen Gründen, nicht zuletzt ethischer Art, nur selten durchgeführt.

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Übergewicht und körperliche Inaktivität

Das vorliegende Datenmaterial kann nicht als repräsentativ angesehen werden, doch die Informationen aus den verschiedenen regional begrenzten Studien (z.B. Dortmund, Jena, Kiel und München) zeigen, dass bereits in diesen frühen Altersstufen ein merkbarer Anteil der Kinder zu Übergewicht neigt, und dass die körperliche Inaktivität zunimmt. Diese problematische Entwicklung wird auch in anderen europäischen Staaten beobachtet. Eine neue Studie aus den USA deutet sogar schon auf erste Anzeichen von "körperbezogenen" Unzufriedenheiten bei kleinen Mädchen hin (Davison et al. 2000). Die Gefahren des Überfluss-Lebensstiles zeigen sich deutlich. Mehr Essen und weniger bewegen führen zu Übergewicht. Da die vorhandenen Informationen aus verschiedenen Studien stammen, bei denen verschiedene Altersgruppierungen zusammengefasst sind, aber auch verschiedene Referenzwerte benutzt wurden, ist der Anteil der übergewichtigen Kleinkinder nur als ein Schätzwert von knapp 10 % der Kinder mit allerdings steigender Tendenz zu betrachten. Die Daten zeigen ebenso an, dass der Trend anhält, dass Kinder schneller wachsen und größer werden. Dies erschwert die Bewertungen, doch auch bei diesen Daten zeigt sich, dass Körpergewicht mehr zu nimmt, als Körpergröße (Livingstone 2000, Alexy et al. 1998, British Nutrition Foundation 2000).

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Lebensmittelinfektionen

Die Häufigkeit von Lebensmittelinfektionen (wie z.B. Salmonellose) ist bei Kleinkindern nicht bekannt, doch es wird vermutet, dass sie in einer ähnlichen Größenordnung wie bei Erwachsenen liegt. Kleinkinder haben jedoch häufiger geringere Abwehrkräfte (schwächere Immunkompetenzen) als Erwachsene, sodass die Krankheitsattacken (wie z.B. Durchfälle) ernstere Verläufe zeigen können. 

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Allergien

Ebenso ist die Häufigkeit der Lebensmittel-bedingten Allergien (z.B. Kuh-Milch-Allergien) bei Kleinkindern nicht bekannt. Sie dürfte unter dem Wert der jungen Erwachsenen (der ca. 5 % beträgt) liegen und zunehmende Tendenz zeigen (Chadda 1999, Brück 1999, Hermann-Kunz 1999b).

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Nährstoffmangel

Über Nährstoffmangel-Risiken bei Kleinkindern gibt es keine biochemischen Untersuchungen, doch Hinweise, dass es keine besonderen Mangelsituationen gibt, außer bei Jod und Folsäure (Kersting et al. 2000).

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Ausblick

Insgesamt erscheint die Ernährungssituation bei Kleinkindern noch relativ gut, allerdings macht sich eine Tendenz deutlich bemerkbar, dass die Probleme der Überernährung mit zu-nehmendem Kindesalter häufiger werden. So sind Säuglinge besser ernährt als Kleinkinder, und diese besser als Schulkinder. Bei diesen Altersgruppen wird die Problematik von Prognosen sehr deutlich. Es sind Aussagen über die Zukunft von Bevölkerungsgruppen zu treffen, die heute noch nicht geboren sind. In Zukunft wird es die Möglichkeit geben, vor der Geburt der Kinder diese auf ihre genetische Substanz zu testen. So könnten auch Embryonen, die Anlagen zu Ernährungsrisiken oder Minderentwicklungen zeigen, ausgesondert werden. Solche makabren Möglichkeiten würden die zukünftige Ernährungssituation von Kleinkindern in anderer Weise verändern, als eine "natürliche" Schwangerschaft.
Es ist zu hoffen, dass die aufgezeigten Informationslücken durch den in der Planungsphase befindlichen Kinder- und Jugendsurvey des Robert-Koch-Institutes geschlossen werden. (Bergmann et al. 2000). Zum Studienkonzept gehören auch biochemische und klinische Messungen, die den Ernährungszustand charakterisieren können.

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Quellen

  • Alexy U., Kersting M., Sichert-Hellert W., Manz F., Schöch G. Energy intake and growth of 3-to-36-month-old German infants and children. Annals of Nutrition and Metabolism 42, 68-74, 1998

  • Bergmann K. E., Hölling H., Kahl H., Schäfer U., Trumann B. Kinder- und Jugendsurvey. Robert Koch Institut, 1999 19.10.2000 (http://yellow-fever.rki.de/FORSCH/FOR2/METH/52_INT.HTM)

  • British Nutrition Foundation Report on the diets and nutritional status of young people (4-18 years). 22.11.2000 http://www.nutrition.org.uk/News/pressinformation/nutyoung.htm

  • Brück B. Fehlernährung bei Allergie des Kindes. Ernährungsumschau 46 (Sonderheft), 50-54 1999

  • Chadda C Kinderernährung in Deutschland. Empfehlungen und Realität. Ernährungsumschau 46 (Sonderheft), 32-40, 1999

  • Davison K.K., Markey C.N., Birch L.L. Etiology of body dissatisfaction and weight concerns among 5-year-old girls. Appetite 35 (2), 143-151, 2000

  • DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) (Hrsg.) Ernährungsbericht 2000. Frankfurt/Main, 2000

  • Hermann-Kunz E. Häufigkeit allergischer Krankheiten in Ost- und Westdeutschland. Das Gesundheitswesen 61 (Sonderheft 2), S100-105, 1999

  • Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition Eurogrowth Study. Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition 31 (7), (Suppl. 1), 2000

  • Kersting M., Alexy U., Sichert-Hellert W. Vitamin intake of 1- to 18-Year-Old German Children and Adolescents in the light of various recommendations. International Journal of Vitamin and Nutrition Research 70 (2), 48-53, 2000

  • Livingstone B. Epidemiology of childhood obesity in Europe. European Journal of Pediatrics 159 (Suppl.1), S14-S-34, 2000

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