AGEV - Arbeitsgemeinschaft Ernährungsverhalten e.V.

Auswirkungen des Ernährungsverhaltens auf die Gesundheitssituation von Senioren

Zwischen Sorgen und Chancen. Ernährung im Alter

Eine der großen Herausforderungen für unsere Gesellschaft ist die demographische Entwicklung, die mit einer erheblichen Zunahme der über 65jährigen verbunden ist. Damit sind grundlegende Veränderungen unserer Gesellschaft verbunden, weil sich Bedürfnislagen in breitem Umfang verschieben. Dabei ist keineswegs ausgemacht, wie die Bedürfnisse auf lange Sicht aussehen werden, denn auch die älteren Menschen verändern sich. Der Lebensstil der Siebzigjährigen von heute hat nur noch wenig gemein mit dem Lebensstil des Siebzigjährigen um 1900 und auch der ältere Mensch von morgen wird ein anderer sein als heute. Dass alle Menschen altern, ist eine Tatsache. Die Frage ist allerdings, wie wir es tun, ob wir es schaffen, das Alter als Teil des Lebens zu akzeptieren und das Altern mit Gelassenheit als Teil eines gelungenen Lebens zu begreifen. In diesem Prozess ändert sich auch die Ernährung.

Diese Veränderungen werden gegenwärtig vor allem unter dem Aspekt der Mangelernährung diskutiert. Gemeint ist damit dann zumeist eine Unterversorgung der Bewohner von Altenheimen. „Mangel“ kann sich aber auch auf die sozialen Aspekte des Essens beziehen, die im Alter infolge zurück gehender Selbstbestimmung verloren gehen können. Vor dem Hintergrund ihres Verständnisses, dass Ernährung nicht nur dem körperlichen Wohlbefinden dient, sondern auch Ausdruck von Selbstbestimmung ist und soziale Einbindung stiftet, will die AGEV auf der kommenden Tagung diesen bislang weniger diskutierten Bereich beleuchten. Dabei kann es nicht nur um eine Situationsbeschreibung oder –analyse gehen.

Ziel soll vielmehr sein, Chancen und Perspektiven für die Schaffung von Ermöglichungsräumen auszuloten, die nicht nur eine physiologisch ausreichende Ernährung, sondern ein subjektiv als befriedigend erlebtes, selbst bestimmtes Essen sicherstellen.

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Die Seiten zu Auswirkungen des Ernährungsverhaltens auf die Gesundheitssituation von Senioren werden derzeit überarbeitet und aktualisiert,
hier finden Sie aktuelle Literatur zum Thema "Mangelernährung im Alter".


Derzeit plant der AGEV-Vorstand eine Tagung zum Thema "Ernährung im Alter. Probleme, Chancen und Perspektiven", die voraussichtlich im Frühjahr 2012 stattfinden soll. Weitere Informationen folgen in Kürze


Die Ernährungssituation von gesunden Senioren ist geprägt von den selben Überernährungsproblemen, wie sie für Erwachsene bekannt sind. Über die altersspezifischen Problemgruppen ist zu wenig bekannt. Es ist zu vermuten, dass durch bessere Kenntnisse und Anwendungen die Lebensqualität im Alter durch Ernährungsfaktoren deutlich verbessert werden könnte.


Zum Ernährungszustand der Senioren gibt es keine repräsentativen Studien in Deutschland. Im Bundes-Gesundheitssurvey sind Personen bis 79 Jahre untersucht worden, doch diese Senioren sind nur ein kleiner Teil. Darüber hinaus sind die Senioren bei Erhebungen stärker positiv selektiert als andere Studienteilnehmer. Alle, die sich nicht mehr selbst versorgen können, können auch nicht teilnehmen. So zeigen die Daten kein echtes Problembild. Es verwundert nicht, dass die Ergebnisse von Senioren kaum anders sind als die von Erwachsenen. Ebenso ist bei der Studie "Ernährung älterer Menschen", die im Ernährungsbericht 2000 publiziert wird, eine positive Auswahl getroffen worden, denn nur "normale ältere" Menschen nahmen daran teil (DGE 2000 Kap. 9).

 

Übergewicht und Mangelernährung

Es gibt bei den Senioren mehr Übergewichtige. Hier muss aber deutlich angesprochen werden, dass alle Kriterien der Beurteilung von den jungen, normalen Erwachsenen ausgehend abgeleitet sind. Dies trifft auch für die Beurteilungen der Körperzusammensetzung zu. Es könnte sein, dass die Zunahme des Fettgewebes mit dem Alter auch teilweise biologisch angelegt ist, also kein erhöhtes Risiko darstellt. Ähnlich kritisch müssen alle andere Bezugswerte betrachtet werden, wenn Senioren damit beurteilt werden.

Innerhalb der Gruppen der Senioren sind die über 80 jährigen, allgemeiner Hochbetagte, als besondere Gruppe zu behandeln, und darunter wieder die vielen Alterskranken, die geriatrischen Patienten. Bei letzteren ist nicht Überernährung das akute Problem, sondern Mangelernährung und sogar Unterernährung. In der Bethanien-Ernährungsstudie (BEST), die im Ernährungsbericht 1996 publiziert wurde, zeigten sich rund 60 % der über 75 jährigen Patienten bei Aufnahme ins Krankenhaus als unterernährt (DGE 1996).

18 % der Männer und 32 % der Frauen der Studie aus dem Ernährungsbericht 1996 hatten Untergewicht. Ähnliche Beobachtungen ergeben sich auch in anderen europäischen Ländern (wie z.B. der Schweiz) (Eichholzer et al. 2000).

Neben den beiden vorgenannten Studien (aus Bonn bzw. Heidelberg) ist nur noch die GISELA-Studie (Giessener Senioren Langzeitstudie) in Giessen zu nennen, bei der speziell der Ernährungszustand von Senioren untersucht wird. Diese longitudinal angelegte Studie ist noch nicht beendet, doch erste Ergebnisse sind publiziert. Sie beschreiben einen relativ guten Ernährungszustand einschließlich den einzelnen Nährstoffen. Die gesundheitlichen Risikoindikatoren, die mit Übergewicht einhergehen, wie z.B. Cholesterin, nehmen zu (Neuhäuser-Berthold et al. 2000).

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Inaktivität 

Die körperliche Aktivität im Alter verringert sich, aber es gibt eine Reihe von aktiven Senioren. Die Teilnehmer der GISELA-Studie scheinen von nicht nachlassender Aktivität zu sein, nicht nur bezüglich ihrer Teilnahme, sondern auch gemäss den Untersuchungsangaben.

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Erkrankungen im Seniorenalter

Die anderen Risiken der Ernährung, wie durch Lebensmittelinfektionen und durch Kontaminationen, sind bei Senioren wahrscheinlich kaum unterschiedlich. Bei lebensmittelbedingten Allergien gibt es eine für das Alter positive Beziehung: das Auftreten verringert sich. 

Aber dies ist eine der wenigen Ausnahmen, denn ansonsten ist es Kennzeichen des Älterwerdens, dass Funktionen nachlassen und körperliche und gesundheitliche Beschwerden häufiger anzutreffen sind. So gaben nur 6,5 % der 487 selbstständig lebenden Senioren der GISELA-Studie an, keine Erkrankung zu haben. Es kommen sogar gehäuft mehrere Erkrankungen gleichzeitig vor (Multimorbidität). Da man sich subjektiv an die "unvollkommene" Gesundheit gewöhnt hat, bezeichnen die meisten Senioren der vorgenannten Umfragen, ihren Gesundheitszustand als sehr gut, und weniger als 20 % äußerten sich negativ diesbezüglich. (s. DZFA 2000).

Dieses scheinbar positive Bild sollte nicht täuschen, die Problembereiche sind bisher nicht erfasst. Mehr Forschung ist notwendig. Deutschland hängt auch auf diesem Gebiet der Ernährungsforschung hinterher. Es gibt keine Institution, die sich als Hauptaufgabe diesem zunehmend wichtigen Bereich widmet. Solche Ansätze, wie die longitudinale Studie GISELA, oder die Erforschung des Ernährungszustandes der geriatrischen Patienten (Heidelberg), gilt es zu fördern. Aus interdisziplinären Verlaufsstudien (beginnend bei aktiven Senioren) kann der zunehmende Grad an notwendiger Hilfe von Außen bei der Ernährung (einschließlich der Haushaltsführung) ermittelt werden. Damit kann herausgefunden werden, welchen Beitrag richtige Ernährung und zusätzliche Nährstoffe (bzw. funktionelle Lebensmittel) leisten können, damit Senioren länger selbstständig aktiv bleiben können. Das betrifft körperliche und geistige Leistungsfähigkeit, aber auch ganz praktische Haushalts- und Lebenshilfen (wie z.B. die Anpassung der Küchenausstattung an die sich verminderten Fähigkeiten) (Mollenkopf et al. 2000).

Zu gesundheitlichen Beschwerden bzw. Krankheiten benennen Senioren der Geront´73-Studie folgendes:

Schlecht hören

26 %

Gallenblase

14 %

Schlecht sehen

38 %

Leberbeschwerden

10 %

Ärger mit den
Zähnen

16 %

Nierenbeschwerden

8 %

Asthma

15 %

Zuckerkrank

11 %

Herzbeschwer-
den

52 %

Gicht

7 %

hoher Blutdruck

28 %

Rheuma,
Gelenkleiden

47 %

Magen-
geschwüre

3 %

Vergesslichkeit

31 %

 

Durch die vermehrt auftretenden Erkrankungen, aber auch durch den Wunsch nach "ewiger" Gesundheit, werden von Senioren beträchtliche Mengen an Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten eingenommen. Hier wird in einigen Fällen sehr viel und zu viel versprochen. Solchen Irreführungen muss widersprochen werden, dazu müssen aber auch mehr Erkenntnisse erforscht werden, wie Nähr- und Nahrungsinhaltsstoffe den Alterungsprozess verlangsamen können. Ebenso ist das weite Feld der Interaktionen zwischen Arzneiwirkungen und denen von Nährstoffen besser zu untersuchen (Swiss Society for Nutrition Research 2000, Stehen 2000, Knapp 1996, Roe 1994).


Durch bessere, angepasstere Ernährung, d.h. bessere Ernährungsempfehlungen für Senioren, kann sich das bei älteren Menschen schwächer werdende Immunsystem stärken. Die Alterungsprozesse können sich verlangsamen. Allerdings kann diese Prävention nicht erst im Lebensabend beginnen, sondern praktisch schon in früher Jugend.

Die Erforschung der Ernährungssituation der verschiedenen Seniorengruppen soll der Lebensqualität dieser Altersgruppe dienen, doch von den erfolgreich alt gewordenen Menschen kann und soll auch gelernt werden. Ernährungsepidemiologische Studien sollten die Faktoren der Ernährung (und des Lebensstils) identifizieren, die für ein langes Leben vorteilhaft sind. Daraus sind Präventionsprogramme für alle abzuleiten. Ebenso wichtig zu untersuchen ist die Situation von den anderen Senioren, wie die der verschiedenen Pflegebedürftigen, den chronisch Kranken, den Heiminsassen, usw. Dazu gehören auch gesellschaftliche Problemgruppen, die Armut im Alter und auch die Besonderheit von Senioren aus den ersten Gastarbeitergenerationen in Deutschland.
Es gibt Programme und Bemühungen um die Senioren, auch nach dem Internationalen Jahr der Senioren. Leider wird aber immer noch der Faktor Ernährung zu wenig berücksichtigt. Die identifizierten Defizite in Deutschland können durch entsprechende Förderung und Koordinierung der vorhandenen isolierten Forschungsansätze behoben werden. Vorbild hierfür könnte wiederum die USA und das "Nutrition and Health for Older American-Program" sein (American Dietetic Association 2000).

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Ausblick

Durch bessere, angepasstere Ernährung, d.h. bessere Ernährungsempfehlungen für Senioren, kann sich das bei älteren Menschen schwächer werdende Immunsystem stärken. Die Alterungsprozesse können sich verlangsamen. Allerdings kann diese Prävention nicht erst im Lebensabend beginnen, sondern praktisch schon in früher Jugend.

Die Erforschung der Ernährungssituation der verschiedenen Seniorengruppen soll der Lebensqualität dieser Altersgruppe dienen, doch von den erfolgreich alt gewordenen Menschen kann und soll auch gelernt werden. 

Ernährungsepidemiologische Studien sollten die Faktoren der Ernährung (und des Lebensstils) identifizieren, die für ein langes Leben vorteilhaft sind. Daraus sind Präventionsprogramme für alle abzuleiten.

Ebenso wichtig zu untersuchen ist die Situation von den anderen Senioren, wie die der verschiedenen Pflegebedürftigen, den chronisch Kranken, den Heiminsassen, usw. Dazu gehören auch gesellschaftliche Problemgruppen, die Armut im Alter und auch die Besonderheit von Senioren aus den ersten Gastarbeitergenerationen in Deutschland.

Es gibt Programme und Bemühungen um die Senioren, auch nach dem Internationalen Jahr der Senioren. Leider wird aber immer noch der Faktor Ernährung zu wenig berücksichtigt. Die identifizierten Defizite in Deutschland können durch entsprechende Förderung und Koordinierung der vorhandenen isolierten Forschungsansätze behoben werden. Vorbild hierfür könnte wiederum die USA und das "Nutrition and Health for Older American-Program" sein (American Dietetic Association 2000).

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Quellen

  • American Dietetic Association: Nutrition, Aging, and the continuum of care. Position of the American Dietetic Association Journal of the American Dietetic Association 100 (5), 580.595, 2000 zu finden unter:www.eatright.org

  • DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) (Hrsg.): Ernährungsbericht 1996. Frankfurt/Main, 1996

  • DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) (Hrsg.): Ernährungsbericht 2000. Frankfurt/Main, 2000

  • DZFA (Deutsches Zentrum für Alternsforschung): ILSE-Studie (Interdisziplinäre Langzeitstudie des Erwachsenenalters). DZFA, Universität Heidelberg In: Stuttgarter Zeitung, Mit dem Alter wächst die Zufriedenheit, 29.08.2000

  • Eichholzer M., Bisig B., Gutzwiller F.: Aktuelle Ernährungsprobleme der Schweiz. Mitteil. Lebensm. Hyg. 91, 251-273, 2000

  • Knapp H.R.: Nutrient-Drug Interactions, S. 540-546. In: Ziegler E.E., Filer L.J.: Present Knowledge in Nutrition, 7. Ed., ILSI Press, Washington 1996

  • Neuhäuser-Berthold M., Lührmann P., Herbert B., Sültemeier A., Hartmann B., Krems C., Breuninger M.: Ermittlung des Ernährungs- und Gesundheitsstatus von Senioren. Aktuelle Ernährungsmedizin 25, 221-226, 2000

  • Roe D.A.: Medications and nutrition in the elderly. Nutr.Old Age 21(1), 135-147, 1994

  • Stehen B.: Preventive Nutrition in Old Age - a review. The Journal of Nutrition, Health and Aging. 4 (2), 114-119, 2000

  • Swiss Society for Nutrition Research Symposium: Nutrition and Mental Performance International Journal of Vitamin and Nutrition Research 70 (5), 260-267, 2000

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Literatur
Alter und Mangelernährung

  • Volkert, Dorothee (2011): Mangelernährung im Alter. aid - Ernährung im Fokus 11-03|11, 98-102 Link

  • Bai, Jom Chim (2010): Ernährung, Ernährungs- und Gesundheitszustand von Altenheimbewohnern. Eine deutschlandweite Multicenterstudie, Diss. Bonn, online unter: Link bzw. Link

  • Kottusch, P. (2010): Untergewicht älterer Menschen zum Sterbezeitpunkt. Eine retrospektive Analyse 3821 rechtsmedizinischer Sektionen in Hamburg, in: Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie 43, 120-124.

  • Pauly, Lioba (2009): Die Bonner Altenheim-Studie: integrierte Betrachtung der Ernährungssituation von Altenheimbewohnern, Diss. Bonn, online unter: Link

  • Becker, Julia (2008): Senioren als Zielgruppe des Ernährungsmarketings, Vdm Verlag Dr. Müller. Saarbrücken.

  • Künnemund, Harald (2008): Soziale Ungleichhheiten und kulturelle Unterschiede in Lebenslauf und Alter. Fakten, Prognosen und Visionen, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden. Link

  • Saeglitz, Claudia (2007): Mangelernährung bei geriatrischen Patienten im Krankenhaus. Prävalenz, mögliche Ursachen, übliche Therapie und prognostische Bedeutung, Diss. Bonn, online unter: Link

Alter und Migration
  • Jacques Emmanuel Schaefer (Hrsg.) (2009): Alter und Migration Tagungsband der 15. Gerontopsychiatrischen Arbeitstagung des Geriatrischen Zentrums an der Universitatsklinik Tübingen, Mabuse Verlag

Bibliographie des Deutschen Zentrums für Altersfragen
  • DZA‘ gerolit-Datenbank Link

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