Der Verbrauch an alkoholischen Getränken hat sich im letzten Jahrzehnt
deutlich vermindert und hat gegenwärtigen einen Umfang von jährlich 9,5
Liter/Kopf. Es zeigen sich deutliche Rückgänge bei Bier und Spirituosen.
Der Verbrauch an Bier beträgt ca. 125 Liter/ Kopf/Jahr (fallend) und an
Wein ca. 20 Liter (steigend). Schaumwein liegt bei knapp 5 Litern
(konstant) und ca. 6 Liter Spirituosen (fallend) (oder insgesamt 160 Liter
alkoholische Getränke). Jeder dieser Getränkebereiche ist reichhaltig
untergliedert.
Der jährliche Umsatz bei der Erzeugung von Bier beträgt 19 Milliarden
DM (ca. 400 Brauereien, 43.000 Beschäftigte), 110 Millionen Hektoliter
(am meisten in NRW, Bayern) (Lebensmittelzeitung 2000j, Latz-Weber 2000).
Davon werden an private Haushalte für ca. 7,5 Milliarden DM (oder 40
Millionen Hektoliter) verkauft. Im Trend sind Dosenbier mit bereits über
20 % Anteil; über die Hälfte wird in 0,5 Liter Mehrwegflaschen verkauft.
Den eindeutig höchsten Anteil mit 66 % hat Pilsbier, alle anderen
Segmente liegen deutlich dahinter. An zweiter Stelle steht das Exportbier
mit 7,4 %; Leichtbiere haben einen Anteil von < 1 % und alkoholfreie
Biere ca. 3 %, bei rückläufigem Trend (Kühn 2000).
Der jährliche Umsatz an Wein beträgt 2,6 Milliarden DM (bei 31 Betrieben
mit >20 Beschäftigten, 2700 Beschäftigte) und der von Spirituosen 6,4
Milliarden DM (ca. 100 Brennereien, 5900 Beschäftigte). Hier ein Beispiel
für weitere mögliche Untergliederungen: Der Bundesverband der
Obstverschlussbrenner (40 Mitglieder) gibt an, dass der Anteil an
Obstbränden 4,5 % des Umsatzes an Spirituosen ausmacht. Das sind 534
Millionen (0,7 Liter) Flaschen an Obstbranntwein; 84 Millionen exportiert,
aber 282 Millionen eingeführt. Mehr als 800.000 Kirschbäume
"dienen" der Obstverschlussbrennerei (Stuttgarter Zeitung 2000).
Jeder Markt ist umkämpft, dies gilt besonders für Bier, da hier die
Nachfrage rückläufig ist. Auf dem deutschen Markt kommt es weiter zu
Übernahmen, auch durch internationale Unternehmen. Die 10 größten
Brauereien haben einen Marktanteil, der über 50 % liegt (Kühn 2000).
Die Einkaufsorte sind bei Bier in erster Linie die großen
Verbrauchermärkte mit ca. 37 % (steigend), dann die Getränkeabholmärkte
(29 % stagnierend), der traditionelle Lebensmitteleinzelhandel (22 %
abnehmend), die Discounter (12 % leicht steigend) und
Sondereinkaufsstätten (Tankstellen). Der umworbene Markt führt zu vielen
Aktionspreisen. Gegenwärtig gewinnen die "Fernsehbiere"
Marktanteile und der neue Trend führt zu Biermischgetränken (Radler).
Für Wein sind die Winzer bzw. der Weinhandel (ca. 25 % Anteil) immer noch
eine gute Einkaufsquelle. Alle anderen Einkauforte liegen noch darunter,
doch nur bei Selbstbedienungswarenhäusern und Discountern nimmt in diesem
Segment der Umsatz zu, wobei Discounter insgesamt jetzt schon an erster
Stelle liegen dürften. Gute Zuwachsraten haben Rotweine, Weißwein nimmt
leicht zu und Roséwein ist rückläufig. Deutsche Weine verlieren an
Marktanteilen (noch 40 %) (Frankreich 19 %, Italien 15 %). Fruchtweine
(wie Apfelwein) spielen eine geringe Rolle.
Der vom Verbraucher gekaufte Sekt (inklusive Champagner) (274 Millionen
Flaschen, ca. 2 Milliarden DM Umsatz) ist zu 95 % die Sorte Weiß.
Deutscher Sekt verliert, italienische (hier besonders Prosecco und nicht
Asti) und spanische Sekte sind steigend.
Der Verkauf an Spirituosen ist rückläufig (440 Millionen Flaschen).
Diese werden am meisten beim Discounter (ca. 22 %) gekauft; Tankstellen
haben einen Anteil von etwas mehr als 5 %. Die stärkste Warengruppe ist
Weinbrand/Cognac (115 Millionen Flaschen). Ähnlich hoch ist der Anteil
der klaren Spirituosen. Die deutlichsten Einbußen erlebten die fruchtigen
Spirituosen (wie z.B. Apfelkorn).
Bei Wein, Sekt und auch Spirituosen gibt es saisonale Effekte besonders
zum Jahresende hin, nämlich die Käufe zu Weihnachten, Neujahr, aber auch
regional z.B. an Fasching (ZMP 1998, 1999, AC Nielsen und
Lebensmittelzeitung 1999).
Der tägliche Verzehr an alkoholischen Getränken in den alten
Bundesländern liegt für Männer bei 325 g/Kopf und für Frauen bei 165
g/Kopf, die entsprechenden Angaben in den neuen Bundesländern sind 305
g/Kopf bzw. 160 g/Kopf.
Im Bundes-Gesundheitssurvey sind die Mengen auf reinen Alkohol
umgerechnet. Durchschnittlich nehmen Männer mehr als dreimal so viel
Alkohol zu sich wie Frauen (17 zu 5 g/Tag/Kopf). Der höchste Konsum ist
bei den 45-54jährigen zu verzeichnen. Keinen Alkohol trinken ca. 7 % der
Frauen und ca. 4 % der Männer. Die "Risiko"-Grenze von >20
g/Tag für Frauen überschreiten ca. 5 % und die von >40 g/Tag für
Männer überschreiten 11 % (Mensink et al. 1999).
Der Anteil des Außer-Haus-Verzehrs bei alkoholischen Getränken ist
bei Männern 19 % und bei Frauen 10 %. Dies muss aber entsprechend den
Umsatzzahlen höher sein (DGE 2000 Kap. 1).
Alkoholische Getränke erfreuen sich fast allgemein einer großen
Beliebtheit. Die Verbraucher wissen um die gesundheitlichen Bedenken und
Risiken von hohem Alkoholkonsum.
Alkoholkonsum und Geselligkeit werden in Zusammenhang gebracht (mit
Freunden trinken, Stammtisch, usw.). Für die verschiedenen
Verbrauchergruppierungen und Trinkgelegenheiten gibt es verschiedene
"Szenegetränke". Es gibt noch viele regionale Besonderheiten
(z.B. Alt und Kölsch Bier in NRW, helles Bier und Weizenbier - mehr in
Bayern) (Bachmann 2000, Kühn 2000). Insgesamt ist bei dieser
Lebensmittelgruppe zu beobachten, dass zwangsläufig die Informationen zum
Markt dann sehr differenziert sind, wenn das Marktvolumen groß, aber
bedingt durch die Konkurrenten "eng", ist.