AGEV - Arbeitsgemeinschaft Ernährungsverhalten e.V.

Die Entwicklung der Nachfrage nach Brot und Backwaren

Der Verbrauch von Getreideerzeugnissen ist seit einigen Jahren stabil, hat aber seit den 50er Jahren deutlich abgenommen. Der Brot und Backwarenverbrauch scheint wieder zuzunehmen.


Zur Gruppe der Brot und Backwaren zählen:

  1. Weißbrot: Weizenbrot, Toastbrot, Baguette
  2. Graubrot: Toast-, Weizen-, Roggen-, Mais-, Grünkernbrot
  3. Knäckebrot: Weizen- und Roggenknäckebrot
  4. Kleingebäck: Weizen-, Roggensemmeln, Laugenbrezeln
  5. Feine Backwaren: Kuchen, Torten, Plundergebäck
  6. Dauerbackwaren: Zwieback, Salzgebäck, Plätzchen, Kekse, Lebkuchen

 

Verbrauch

Der Verbrauch von Getreideerzeugnissen liegt seit einigen Jahren stabil bei ca. 75 kg/Kopf/ Jahr. Seit den 50er Jahren hat sich der Verbrauch deutlich reduziert, dies gilt besonders für Roggen. Die neuesten Marktzahlen zeigen, dass 1999/2000 ein neuer Rekord im Verbrauch von Brot- und Brötchen zu verzeichnen ist: 84,8 kg/Kopf/Jahr oder täglich 232 g (Im Jahr: 1500 Schnitten und 350 Brötchen) (Lebensmittelzeitung 2000).

(Abb.: Verbrauch an Getreideerzeugnissen)

(zum Seitenanfang)

Herkunft und Erzeugung

Die Getreideernte in Deutschland betrug 1999 41,3 Millionen Tonnen, erzeugt auf 6,3 Millionen Hektar Anbaufläche. Die wichtigsten Arten sind Weizen und Roggen, sowie Gerste. Es wird mehr Getreide produziert als verbraucht, der Export übertrifft die Einfuhr. Für die Inlandsverwendung verbleiben ca. 35 Millionen Tonnen, davon wird der überwiegende Teil, nämlich ca. 22 Millionen Tonnen, für Futtermittel verwendet, und ca. 8 Millionen Tonnen werden für Nahrungszwecke genutzt. Das sind vor allem Brot, aber auch Nährmittel und Bier.
Der Getreidemarkt ist weltweit geregelt (Interventionen, etc.).

Die Einkaufsorte bei Brot und Backwaren, die früher die Bäckereien darstellten, sind auch in diesem Sortiment nun vielfältig. Die Hälfte wird immer noch in Bäckereien verkauft, aber dort herrscht ein großer Konzentrationsprozess vor. Die Kamps AG ist Deutschlands und Europas größter Bäcker (Umsatz ca. 4 Milliarden DM), der Discounter (Aldi) zieht mit dem Verbrauchermarkt gleich (je 15 %) und dem kleinen Lebensmitteleinzelhandel verbleiben knapp 10 % (Gordian 2000).
Die Sortimentsbreite eines Backshops beträgt ca. 120-130 Artikel. (Rosbach 1999, ZMP 2000).

Auch TK-Brot-Backwaren sind im Trend (180 Millionen DM Umsatz bei Brot, Brötchen, Miniflutes, Laugengebäck, Croissants) und der Markt von "funktionellem Brot" beginnt zu wachsen (z.B. VK-Mühlen Cult 1 mit prebiotischen Kulturen, Omega.3 und Calcium D3 Brote, ähnlich auch Müller-Brote) (Heimig 2000).

(zum Seitenanfang)

Verzehr

Der tägliche Verzehr von Brot und Backwaren liegt bei 160 g/Kopf (Männer) bzw. 137 g (Frauen) in den alten Bundesländern, und ist in den neuen Bundesländern etwas höher, nämlich 184 g bzw. 160 g (DGE 2000).
Brot und Backwaren werden praktisch von jedem Verbraucher täglich verzehrt, allerdings gibt es charakteristische Verteilungen zwischen den verschiedenen Sorten (hell/dunkel, Brot/ Brötchen, Brezeln, usw.). Dabei sind auch deutliche regionale Unterschiede festzustellen.
Nur 2 % der Verbraucher essen kein Brot. Täglich zweimal Brot gegessen wird zum Frühstück von ca. 72 % der Verbraucher, und beim Abendessen von 85 %. Bevorzugte Brotsorten sind Roggenmischbrote (36 %), Mehrkornbrote (21 %) danach folgen Vollkornbrote und Weizenmischbrote.

Der Anteil des Außer-Haus-Verzehrs an Brot und Backwaren liegt bei knapp 10 % mit guten Möglichkeiten für die Zukunft (z.B. auch durch Back-Automaten - z.B. Aral Pananino GmbH, Bochum) (DGE 2000  Kap. 1).

Zu Zubereitung (z.B. Belag der Brote), Rezepten und Portionsgrößen (z.B. Scheibendicke), sowie Verlusten bei Brot und Backwaren gibt es keine repräsentativen Informationen.

(zum Seitenanfang)

Verbrauchereinstellungen und Verbraucherinformationen

Die deutschen Verbraucher haben eine besondere Vorliebe für Brot und Backwaren. In keinem anderen Land gibt es eine ähnlich große Vielfalt.
Brot ist ein Symbol für Nahrung, es ist etwas besonderes und hat enge religiöse Wurzeln (Abendmahl, Gebete - Unser täglich Brot gib uns heute...). Diese Wertschätzungen sind am Verschwinden, aber viele traditionelle Bindungen bleiben, wie z.B. Brot/Brötchen als Grundlage der kalten Mahlzeiten Abendbrot und Frühstück. Sie sind auch sehr konvenient in der Verwendung, z.B. für das Essen unterwegs, als Snack, Hand-Held-Food oder dem Home Meal Replacement. Ebenso ist der Aspekt "gesund" wichtig. Dies gilt besonders für Vollkorn-Varianten. Hier ist eine traditionelle Variante der modernen "Functional Foods" zu sehen, denn die Ballaststoffe/Nahrungsfasern haben Funktionen hinsichtlich des Magen-Darm-Traktes.
Es gibt einige Anzeichen dafür, dass der Brotverzehr wieder steigt. Dies ist auch ernährungs-physiologisch zu begrüßen. Getreide ist eine wichtige Basis der "Ernährungspyramide".  Brot und Backwaren können viele wichtige Verbraucherwünsche befriedigen: es ist abwechslungsreich, es gibt eine Vielzahl von Sorten. Dabei kommen auch internationale Aspekte zum Tragen ("ethnic food"), wie z.B. die italienischen Brotvarianten (Ciabatta u.a.), ebenso das Vertrauen durch Tradition und Regionalität.

(zum Seitenanfang)

Quellen

  • DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) (Hrsg.): Ernährungsbericht 2000. Frankfurt/Main, 2000

  • Gordian Kamps wächst im Süden. Bäckereikette kauft französischen Marktführer. Gordian 7, S. 92, 2000

  • Heimig D.: Beliebtes tägliches Brot. Lebensmittelzeitung 15, S. 56, 2000

  • Lebensmittelzeitung: Neuer Rekord beim Brotverzehr. GMF-Statistik weist Steigerung aus - Schlechte Ernte kein Grund für Preisanhebung. Lebensmittelzeitung 33, S. 24, 2000

  • Rosbach B.: Brot & Backwaren. LZ Spezial 3, 40-42, 1999

  • ZMP (Zentrale Markt- und Preisberichtsstelle): Haushaltskonsum von Brot 1999. Marktanalyse ZMP-MAFO-Brief, 2000


© 2004 | info@agev.net | Impressum