AGEV - Arbeitsgemeinschaft Ernährungsverhalten e.V.

Die Entwicklung der Nachfrage nach Gemüse

Der Verbrauch an Gemüse nimmt zu, doch er sollte noch mehr steigen.


Zur Gruppe der Gemüse werden sowohl Frischgemüse als auch Gemüseprodukte gezählt, und zwar:

  1. Frischgemüse
    - Blumenkohl
    - Sonstiger Kohl:  Brokkoli, China-, Grün-, Rosen-, Rot-, Weiß-, Wirsingkohl
    - Blatt- und Stängelgemüse:  Blattsalate, Spinat, Mangold, Artischocken, 
      Spargel, Rhabarber, Porree
    - Tomaten
    - Gurken
    - Sonstiges Fruchtgemüse: Aubergine, Paprika, Kürbis, Zucchini
    - Zwiebelgemüse:  Zwiebeln, Knoblauch
    - Karotten
    - Sonstiges Frischgemüse Kohlrabi, Gemüsemischungen, Meerrettich, 
       Schwarzwurzeln, Pilze
  2. Gemüseprodukte
    - Tiefgefrorenes Gemüse
    - Gemüsekonserven
    - Hülsenfrüchte:  Bohnen, Erbsen, Linsen, Konserven
    - Sojaerzeugnisse:  Sojamehl, -schrot, -lecithin, -mehl, -bratlinge,   
       -würstchen, Tofu, Miso
    -  Sonstige Gemüseerzeugnisse:  Kräuter, Trockengemüse

Verbrauch

Der Verbrauch an Gemüse zeigt einen langsamen aber kontinuierlichen Anstieg, der derzeit bei ca. 85 kg/Kopf/Jahr (ca. 230 g/d) liegt.
Im Jahr 1999/2000 stieg der Verbrauch auf 88,1 kg (Lebensmittelzeitung 2000d).
Die Deutschen haben einen unterdurchschnittlichen Verbrauch im europäischen Vergleich (National Public Health Institute 2000).

(Abb.: Verbrauch an Kartoffeln und Gemüse)

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Herkunft und Erzeugung

Der Gemüsemarkt ist sehr heterogen. Es gibt nicht nur viele Sorten, sondern auch verschiedene Anbauformen (Freiland und Unterglasanbau, zur Frischgemüsenutzung und zur Produktion von Rohware für die Verarbeitungsindustrie). Aus klimatischen Gründen kann nur zeitlich begrenzt Freilandgemüse erzeugt werden. Der Selbstversorgungsgrad liegt bei ca. 40 %. Der Hauptanteil (90 %) des importierten Gemüses stammt aus EU-Staaten. Wichtigstes Herkunftsland bleibt Holland, doch Spanien holt auf.

Die Gemüseanbaufläche in Deutschland beträgt 89.000 ha. Es werden ca. 2,7 Millionen Tonnen Gemüse jährlich erzeugt (ZMP-Bilanz Gemüse 1999).

Tabelle: Anbaufläche und Erntemengen wichtiger Gemüsearten im Freiland in Deutschland (1998)

 

Anbaufläche (ha)

Erntemenge (1.000 to)

Trend

Spargel

11.261

46

+

Möhren

7.839

366

+

Weißkohl

7.185

472

-

Speisezwiebeln

6.775

366

o

Blumenkohl

5.878

260

o

Kopfsalat

3.591

85

o

Spinat

3.505

62

-

Gurken

3.313

133

o

Eissalat

2.884

68

+

Rotkohl

2.856

137

-

Kohlrabi

2.465

73

+

Wirsing

1.401

45

o

Karotten

540

12

o

(Quelle: nach ZMP-Bilanz Gemüse 1999)

 

Die größten Anbauflächen für Gemüse in Deutschland sind im Rheinland (Großraum Bonn-Köln-Düsseldorf), Nordrhein-Westfalen (NRW) (20 % der Anbaufläche), in Niedersachsen und in der Pfalz.
Regional sehr unterschiedlich ist die Verteilung beim Gemüseanbau unter Glas. Hier hat den größten Anteil an der Gesamtfläche von ca. 1350 ha Baden-Württemberg (30 %), gefolgt von NRW und Bayern. Durch den Einsatz von Folien und Vliesen kann Ernteverfrühung erzielt werden. Dies geschieht in stark zunehmendem Maße (ca. 13.000 ha).
Die Einkommenserlöse sind relativ günstig bei Gemüse. Bedeutend ist beim Gemüse auch der Vertragsanbau (besonders bei Erbsen, Einlegegurken, Spinat).
Die jährlichen Umsätze in der Verarbeitung von Obst und Gemüse belaufen sich auf ca. 6,5 Milliarden DM (150 Betriebe, 15.000 Beschäftigte). In der Herstellung von Frucht- und Gemüsesäften sind es weitere 4 Milliarden DM (100 Betriebe, 6000 Beschäftigte) (Statistisches Bundesamt 2000).

Bedeutend ist in Deutschland immer noch die Gemüseernte in Haus- und Kleingärten. Sie wird mit ca. 25 % der Gesamternte geschätzt. Im Vergleich zu vor 20 Jahren ist sie rückläufig (der Anteil lag damals bei einem Drittel).
Der importierte Gemüseanteil geht überdurchschnittlich häufig in die verarbeitende Industrie (besonders Gemüsekonserven, aber auch TK-Produkte). Die Einfuhr setzt sich wie folgt zusammen:
- Tomaten 652.000 Tonnen
- Gurken 437.000 Tonnen
- Gemüsepaprika 240.000 Tonnen
- Zwiebeln 234.000 Tonnen
- Karotten + Möhren 184.000 Tonnen
- Kopf-/Eissalat 160.000 Tonnen
- Blumenkohl 114.000 Tonnen
- Spargel 40.000 Tonnen

Hinsichtlich der Einkaufsorte gibt es eine große Variationsbreite. Der Direktabsatz und Frischmarkt ist bei frischen Produkten sehr wichtig, bei TK- und Konservenware praktisch nicht vorhanden. Selbst bei Frischwaren, die haltbarer sind (wie z.B. Tomaten, Gurken, Paprika), haben Discounter deutlich steigende Anteile.
Frischgemüse wird zu ca. 1/3 beim Discounter (Aldi u.a.) und zu einem weiteren Drittel im Verbrauchermarkt erworben (GfK-Frischepanel). Der Anteil des Direktverkaufs (einschließlich Wochenmarkt) liegt bei ca. 20 %, und der des traditionellen Lebensmitteleinzelhandels bei ca. 15 % (ZMP 1999, 2000a, 2000b, 2000c).

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Verzehr

Der Verzehr von Frischgemüse einschließlich TK-Ware beträgt ca. 85 g bei Männer und 95 g bei Frauen, dazu kommen noch je 35 g Gemüseprodukte.
Nach den Angaben des Bundes-Gesundheitssurvey sind es etwas über 200 g/Tag, wobei selbst bei der 75er Perzentile der Verzehr nur knapp 300 g übersteigt. Der Verzehr liegt damit deutlich unter den Empfehlungen (Mensink et al. 1999).
Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung verzehrt die empfohlene Menge. Die Verteilung des Verzehrs unterliegt starken saisonale Schwankungen, die allerdings von Gemüseart zu Gemüseart unterschiedlich deutlich sind. Besonders stark ist dies z.B. (noch) bei Spargel und weniger bei Kohlsorten.
Frisches und auch gegartes Gemüse wird häufig gegessen, besonders von Erwachsenen mit zunehmendem Alter. Meidungen gibt es kaum, allerdings kommt es zu solchen bedingt z.B. durch Unverträglichkeiten bei bestimmten Gemüsesorten. Kinder und Jugendliche verzehren deutlich weniger Gemüse. Der Gemüseverzehr ist bei gehobeneren Schichten größer.

Der Außer-Haus-Verzehr an Frischgemüse hat einen Anteil von 12 % und bei Gemüseprodukten von 4 % (DGE 2000 Kap. 1).

Zu den Aspekten der Zubereitung, Rezepte, Portionsgrößen und Verluste von Gemüse in privaten Haushalten gibt es keine repräsentativen Informationen.

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Verbrauchereinstellungen und Verbraucherinformationen

Die sehr heterogene Gruppe der Gemüse hat zwar bei Verbrauchern ein unterschiedliches Image, doch insgesamt wissen Verbraucher um die besondere gesundheitliche Bedeutung. Trotzdem wird nicht genug verzehrt. Die Empfehlungen lauten 3 Portionen täglich, das wären 375 g.
Weitere Aspekte, die viele Verbraucher positiv mit Gemüse verbinden, sind Geschmack, Frische und Natürlichkeit (GfK Panel Services, Fruchthandel Magazin 1999).
Beliebt und mit zunehmender Tendenz sind frische Salate und Frischgemüse. Auch TK-Ware ist beliebt, negativ besetzt sind dagegen die Konservenwaren. Zunehmend ist auch der konvenient Faktor im Frischgemüsebereich wichtig, z.B. durch Frisch- und Fertigsalate. Frischkosterzeugnisse liegen im Gesundheits- und Wellnesstrend.
Weltweit gibt es Bestrebungen, den Obst- und Gemüseverzehr zu steigern. Das Vorbild solcher Kampagnen stammt aus den USA und es wird gerade versucht, dies auch in Deutschland einzuführen (Dole 2000, http://www.5amtag.de/).

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Quellen

  • DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) (Hrsg.) Ernährungsbericht 2000. Frankfurt/Main, 2000

  • Dole (The fruit & vegetable Company committed to Nutrition Education) Just for Kids. 23.10.2000 (http://www.dole5aday.com/menu/kids/menu.htm)

  • GfK Panel Services, Fruchthandel Magazin Frisches Obst und Gemüse für die Gesundheit - Was den Verbraucher zum Kauf motiviert. Studie der GfK Panel Services und dem Fruchthandel Magazin, Nürnberg 1999

  • GfK Panel Services (Gesellschaft für Konsumforschung), Consumer Research, IRI/GfK Retail Services Molkereiprodukte. GfK Panel Services, Consumer Research, IRI/GfK Retail Services 3, 1999

  • Lebensmittelzeitung Deutsche konsumieren immer mehr Frischgemüse. Lebensmittelzeitung 35, S. 25, 2000

  • Mensink G.B.M., Thamm M., Haas K. Die Ernährung in Deutschland 1998. Das Gesundheitswesen 61 (Sonderheft 2), S200-206, 1999

  • National Public Health Institute Disparities in Food Habits in Europe EU FAIR-97-3096 Project (tasks 4 & 5) 30.10.2000 (http://www.ktl.fi/eteo/disparities/disparities.htm)

  • Statistisches Bundesamt Landwirtschaft und Fischerei. 8.11.2000 (http://www.statistik-bund.de/basis/d/forst/forstueb.htm)

  • ZMP-Bilanz Gemüse (Zentrale Markt- und Preisberichtsstelle) In: Landesanstalt für Entwicklung der Landwirtschaft mit Landesstelle für landwirtschaftliche Marktkunde, im Auftrag des Ministeriums für ländlichen Raum Baden-Württemberg Agrarmärkte. Jahresheft 1999. Unterlagen für Unterricht und Beratung in Baden-Württemberg, Schwäbisch Gmünd 1999

  • ZMP (Zentrale Markt- und Preisberichtsstelle) Haushaltskonsum von Frischgemüse 1999. Marktanalyse ZMP-MAFO-Brief, 2000a 

  • ZMP (Zentrale Markt- und Preisberichtsstelle) Haushaltskonsum von Gemüsekonserven 1999. Marktanalyse ZMP-MAFO-Brief, 2000b 

  • ZMP (Zentrale Markt- und Preisberichtsstelle) Haushaltseinkäufe von Sauerkonserven 1999. Marktanalyse ZMP-MAFO-Brief, 2000c

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