Der Verbrauch an Gemüse zeigt einen langsamen aber kontinuierlichen
Anstieg, der derzeit bei ca. 85 kg/Kopf/Jahr (ca. 230 g/d) liegt.
Im Jahr 1999/2000 stieg der Verbrauch auf 88,1 kg (Lebensmittelzeitung
2000d).
Die Deutschen haben einen unterdurchschnittlichen Verbrauch im
europäischen Vergleich (National Public Health Institute 2000).
Der Gemüsemarkt ist sehr heterogen. Es gibt nicht nur viele Sorten,
sondern auch verschiedene Anbauformen (Freiland und Unterglasanbau, zur
Frischgemüsenutzung und zur Produktion von Rohware für die
Verarbeitungsindustrie). Aus klimatischen Gründen kann nur zeitlich
begrenzt Freilandgemüse erzeugt werden. Der Selbstversorgungsgrad liegt
bei ca. 40 %. Der Hauptanteil (90 %) des importierten Gemüses stammt aus
EU-Staaten. Wichtigstes Herkunftsland bleibt Holland, doch Spanien holt
auf.
Die Gemüseanbaufläche in Deutschland beträgt 89.000 ha. Es werden
ca. 2,7 Millionen Tonnen Gemüse jährlich erzeugt (ZMP-Bilanz Gemüse
1999).
Tabelle: Anbaufläche und Erntemengen wichtiger Gemüsearten im Freiland
in Deutschland (1998)
Anbaufläche (ha)
Erntemenge (1.000 to)
Trend
Spargel
11.261
46
+
Möhren
7.839
366
+
Weißkohl
7.185
472
-
Speisezwiebeln
6.775
366
o
Blumenkohl
5.878
260
o
Kopfsalat
3.591
85
o
Spinat
3.505
62
-
Gurken
3.313
133
o
Eissalat
2.884
68
+
Rotkohl
2.856
137
-
Kohlrabi
2.465
73
+
Wirsing
1.401
45
o
Karotten
540
12
o
(Quelle: nach ZMP-Bilanz Gemüse 1999)
Die größten Anbauflächen für Gemüse in Deutschland sind im
Rheinland (Großraum Bonn-Köln-Düsseldorf), Nordrhein-Westfalen (NRW)
(20 % der Anbaufläche), in Niedersachsen und in der Pfalz.
Regional sehr unterschiedlich ist die Verteilung beim Gemüseanbau unter
Glas. Hier hat den größten Anteil an der Gesamtfläche von ca. 1350 ha
Baden-Württemberg (30 %), gefolgt von NRW und Bayern. Durch den Einsatz
von Folien und Vliesen kann Ernteverfrühung erzielt werden. Dies
geschieht in stark zunehmendem Maße (ca. 13.000 ha).
Die Einkommenserlöse sind relativ günstig bei Gemüse. Bedeutend ist
beim Gemüse auch der Vertragsanbau (besonders bei Erbsen, Einlegegurken,
Spinat).
Die jährlichen Umsätze in der Verarbeitung von Obst und Gemüse belaufen
sich auf ca. 6,5 Milliarden DM (150 Betriebe, 15.000 Beschäftigte). In
der Herstellung von Frucht- und Gemüsesäften sind es weitere 4
Milliarden DM (100 Betriebe, 6000 Beschäftigte) (Statistisches Bundesamt
2000).
Bedeutend ist in Deutschland immer noch die Gemüseernte in Haus- und
Kleingärten. Sie wird mit ca. 25 % der Gesamternte geschätzt. Im
Vergleich zu vor 20 Jahren ist sie rückläufig (der Anteil lag damals bei
einem Drittel).
Der importierte Gemüseanteil geht überdurchschnittlich häufig in die
verarbeitende Industrie (besonders Gemüsekonserven, aber auch TK-Produkte).
Die Einfuhr setzt sich wie folgt zusammen:
- Tomaten 652.000 Tonnen
- Gurken 437.000 Tonnen
- Gemüsepaprika 240.000 Tonnen
- Zwiebeln 234.000 Tonnen
- Karotten + Möhren 184.000 Tonnen
- Kopf-/Eissalat 160.000 Tonnen
- Blumenkohl 114.000 Tonnen
- Spargel 40.000 Tonnen
Hinsichtlich der Einkaufsorte gibt es eine große Variationsbreite. Der
Direktabsatz und Frischmarkt ist bei frischen Produkten sehr wichtig, bei
TK- und Konservenware praktisch nicht vorhanden. Selbst bei Frischwaren,
die haltbarer sind (wie z.B. Tomaten, Gurken, Paprika), haben Discounter
deutlich steigende Anteile.
Frischgemüse wird zu ca. 1/3 beim Discounter (Aldi u.a.) und zu einem
weiteren Drittel im Verbrauchermarkt erworben (GfK-Frischepanel). Der
Anteil des Direktverkaufs (einschließlich Wochenmarkt) liegt bei ca. 20
%, und der des traditionellen Lebensmitteleinzelhandels bei ca. 15 % (ZMP
1999, 2000a, 2000b, 2000c).
Der Verzehr von Frischgemüse einschließlich TK-Ware beträgt ca. 85 g
bei Männer und 95 g bei Frauen, dazu kommen noch je 35 g Gemüseprodukte.
Nach den Angaben des Bundes-Gesundheitssurvey sind es etwas über 200
g/Tag, wobei selbst bei der 75er Perzentile der Verzehr nur knapp 300 g
übersteigt. Der Verzehr liegt damit deutlich unter den Empfehlungen (Mensink
et al. 1999).
Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung verzehrt die empfohlene Menge. Die
Verteilung des Verzehrs unterliegt starken saisonale Schwankungen, die
allerdings von Gemüseart zu Gemüseart unterschiedlich deutlich sind.
Besonders stark ist dies z.B. (noch) bei Spargel und weniger bei
Kohlsorten.
Frisches und auch gegartes Gemüse wird häufig gegessen, besonders von
Erwachsenen mit zunehmendem Alter. Meidungen gibt es kaum, allerdings
kommt es zu solchen bedingt z.B. durch Unverträglichkeiten bei bestimmten
Gemüsesorten. Kinder und Jugendliche verzehren deutlich weniger Gemüse.
Der Gemüseverzehr ist bei gehobeneren Schichten größer.
Der Außer-Haus-Verzehr an Frischgemüse hat einen Anteil von 12 % und
bei Gemüseprodukten von 4 % (DGE 2000 Kap. 1).
Zu den Aspekten der Zubereitung, Rezepte, Portionsgrößen und Verluste
von Gemüse in privaten Haushalten gibt es keine repräsentativen
Informationen.
Die sehr heterogene Gruppe der Gemüse hat zwar bei Verbrauchern ein
unterschiedliches Image, doch insgesamt wissen Verbraucher um die
besondere gesundheitliche Bedeutung. Trotzdem wird nicht genug verzehrt.
Die Empfehlungen lauten 3 Portionen täglich, das wären 375 g.
Weitere Aspekte, die viele Verbraucher positiv mit Gemüse verbinden, sind
Geschmack, Frische und Natürlichkeit (GfK Panel Services, Fruchthandel
Magazin 1999).
Beliebt und mit zunehmender Tendenz sind frische Salate und Frischgemüse.
Auch TK-Ware ist beliebt, negativ besetzt sind dagegen die Konservenwaren.
Zunehmend ist auch der konvenient Faktor im Frischgemüsebereich wichtig,
z.B. durch Frisch- und Fertigsalate. Frischkosterzeugnisse liegen im
Gesundheits- und Wellnesstrend.
Weltweit gibt es Bestrebungen, den Obst- und Gemüseverzehr zu steigern.
Das Vorbild solcher Kampagnen stammt aus den USA und es wird gerade
versucht, dies auch in Deutschland einzuführen (Dole 2000, http://www.5amtag.de/).
DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) (Hrsg.) Ernährungsbericht
2000. Frankfurt/Main, 2000
Dole (The fruit & vegetable Company committed to Nutrition Education)
Just for Kids. 23.10.2000 (http://www.dole5aday.com/menu/kids/menu.htm)
GfK Panel Services, Fruchthandel Magazin Frisches Obst und Gemüse für
die Gesundheit - Was den Verbraucher zum Kauf motiviert. Studie der GfK
Panel Services und dem Fruchthandel Magazin, Nürnberg 1999
Lebensmittelzeitung Deutsche konsumieren immer mehr Frischgemüse.
Lebensmittelzeitung 35, S. 25, 2000
Mensink G.B.M., Thamm M., Haas K. Die Ernährung in Deutschland 1998.
Das Gesundheitswesen 61 (Sonderheft 2), S200-206, 1999
National Public Health Institute Disparities in Food Habits in Europe EU
FAIR-97-3096 Project (tasks 4 & 5) 30.10.2000 (http://www.ktl.fi/eteo/disparities/disparities.htm)
Statistisches Bundesamt Landwirtschaft und Fischerei. 8.11.2000
(http://www.statistik-bund.de/basis/d/forst/forstueb.htm)
ZMP-Bilanz Gemüse (Zentrale Markt- und Preisberichtsstelle) In:
Landesanstalt für Entwicklung der Landwirtschaft mit Landesstelle für
landwirtschaftliche Marktkunde, im Auftrag des Ministeriums für
ländlichen Raum Baden-Württemberg Agrarmärkte. Jahresheft 1999.
Unterlagen für Unterricht und Beratung in Baden-Württemberg, Schwäbisch
Gmünd 1999
ZMP (Zentrale Markt- und Preisberichtsstelle) Haushaltskonsum von
Frischgemüse 1999. Marktanalyse ZMP-MAFO-Brief, 2000a
ZMP (Zentrale Markt- und Preisberichtsstelle) Haushaltskonsum von
Gemüsekonserven 1999. Marktanalyse ZMP-MAFO-Brief, 2000b
ZMP (Zentrale Markt- und Preisberichtsstelle) Haushaltseinkäufe von
Sauerkonserven 1999. Marktanalyse ZMP-MAFO-Brief, 2000c