AGEV - Arbeitsgemeinschaft Ernährungsverhalten e.V.

Altersgruppe: Jugendliche

Als Jugendliche wird eine recht heterogene und dynamische Bevölkerungsgruppe bezeichnet, die mit der einsetzenden Pubertät, also ab dem 10. Lebensjahr, beginnt und mit der Volljährigkeit (rechtliche Gleichstellung als Erwachsener), also mit Erreichen des 18. Lebensjahrs, endet. Es gibt deutliche Untergruppen, wie die 10-12jährigen Pre-Teens und die Teenager. 

Kennzeichnend ist die prägnante Ausdifferenzierung der Geschlechter, die nicht nur biologisch sondern auch gesellschaftlich zu bemerken ist, und sich im Ernährungsverhalten bemerkbar macht. Es gibt sozio-ökonomische und kulturelle Differenzierungen, wie z.B. arbeitslose (deutsche) Hauptschulabsolventen und (türkische) Gymnasiasten.

Die wenigen Jahre zwischen dem 12. Und 18. Lebensjahr sind physiologisch und soziologisch sehr dynamisch. Die Pubertät stellt den Stoffwechsel um, ein zweiter Wachstumsschub wird beobachtet. Dies führt zu einem hohen Nahrungsbedarf. Die großen Jugendlichen haben die höchste Nahrungsaufnahme, die höchste Lebensmittelnachfrage in ihrem Lebenszyklus. Des weiteren ist die körperliche Aktivität noch relativ hoch. Sie können noch nicht das Auto benutzen, sie treiben noch Sport und sind Mitglieder in Jugendgruppen. Sie suchen in vieler Hinsicht ihre Position, ihre Einstellung zu sich und der Gesellschaft. Das bringt eine Reihe von spezifischen jugendpsychologischen Problemen, einige davon führen zu Ess-Störungen. Soziologisch sind die Jugendlichen eine relativ neue Erscheinung. Früher ging die Kindheit (die kurze Hose, das Tragen von Kinderkleidung) fast plötzlich (Zeitpunkt: Ende der Grundschule, Konfirmation in der Kirche, Aufnahme einer Lehre) in die Erwachsenenrolle über (lange Hose, Erwachsenenkleider). Die Verlängerung der Schul- und Ausbildungszeiten (die Bildungsreformen im 20ten Jahrhundert) haben den Zwischenraum zwischen Kinder- und Erwachsenenrolle geschaffen. Noch 1955 gingen 78 % der 16 jährigen nicht mehr zur Schule, heute tun dies fast alle in diesem Alter (Sander 2000).

Jugendliche sind in zahlreiche Untergruppen zu differenzieren, wobei auch besondere Problemgruppen auftauchen, z.B. solche in psychischen Problemlagen (Ess-Störungen, Suchtprobleme), in ökonomischen Problemlagen (beginnende Verschuldung), "Vernachlässigte" (zu wenig Betreute) und solche mit transkulturellen Problemen (Ausländer, Migranten, u.a.).

Gegenwärtig hat ein Jahrgang der 10-18jährigen in Deutschland eine Besetzung von 900.000 bis zu 1.000.000, im Jahr 2050 werden es je 600.000 sein und somit spürbar weniger (Statistisches Bundesamt 2000). 

Die Phase der Jugend wird sich nach beiden Rändern (frühere "Pubertät" und späteres Ende der Bildungsphase zum Erwachsenen) hin ausdehnen (Statistisches Bundesamt 2000).

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Quellen

  • Sander U. 100 Jahre Jugend in Deutschland Aus Politik und Zeitgeschehen, B19-20, 2000

  • Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Bevölkerungsentwicklung Deutschlands bis zum Jahr 2050. Ergebnisse der 9. Koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung. Wiesbaden 2000 


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