AGEV - Arbeitsgemeinschaft Ernährungsverhalten e.V.

Die Entwicklung der Nachfrage nach Kartoffeln

 

Die Kartoffel zählt zu den typischen deutschen Grundnahrungsmitteln, die im wesentlichen als Beilage von warmen Mahlzeiten dient. Die Einstellung der Verbraucher ist zwiespältig: Kartoffelgerichte sind beliebt, doch es gibt auch negative Bilder: traditionell, altmodisch, dickmachend. Die Nachfrage nach frischen Kartoffeln geht langsam und kontinuierlich zurück. Dies wird etwas dadurch ausgeglichen, dass vermehrt Kartoffelprodukte nachgefragt werden.


Die Kartoffel kann als Nachtschattengewächs eigentlich zu den Gemüsen gezählt werden, doch da sie zu den alltäglichen Grundnahrungsmitteln in Deutschland gehört, wird sie bei uns als eigenständige Kategorie geführt.
Zu dieser Gruppe zählen alle Sorten von Kartoffeln und die daraus hergestellten Produkte, soweit sie dem menschlichen Verzehr dienen (Ausnahme: alkoholische Getränke aus Kartoffeln, z.B. Wodka).
Die summarischen Verbrauchs- und Verzehrsangaben beziehen sich immer auf die Menge an frischen Kartoffeln, obwohl zunehmend mehr verarbeitete Kartoffelprodukte nachgefragt werden.

Verbrauch

Der Verbrauch von Kartoffeln in Deutschland nimmt kontinuierlich aber signifikant ab und beträgt jetzt ca. 75 kg Kopf/Jahr (oder ca. 200 g/Person/Tag). Nach Angaben für die Jahre 1998/99 waren es nur noch 70,6 kg Kopf/Jahr, davon 41,6 kg als frische Kartoffeln (-2,9 kg gegenüber dem Vorjahr) und 29,0 kg als "veredelte" Kartoffelprodukte (berechnet auf Frischgewicht, +1,2 kg) (Lebensmittelzeitung 2000).

(Abb.: Verbrauch an Kartoffeln und Gemüse)

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Herkunft und Erzeugung

Der Kartoffelmarkt zeigt seine Besonderheit darin, dass er bisher keiner EU-Marktordung unterliegt. Eine andere Besonderheit sind die starken jährlichen Ertragsschwankungen und damit auch die saisonalen Preisunterschiede.
Neben dem Speisekartoffelmarkt (ZMP-Einteilung in Früh, mittelfrühe und späte Sorten), gibt es noch Veredelungskartoffeln (Kartoffelerzeugnisse, Kloßmehl, Pommes frites, Kartoffelchips, u.a.m.), Futterkartoffeln, Pflanzkartoffeln und Industriekartoffeln (Stärke- und Alkohol-Produktion).
Die deutschen Anbauflächen verringern sich und lagen 1999 bei 298.000 ha. Die Hektarerträge sind steigend (gegenwärtig 360-380 Tonnen). Die Erntemenge beträgt 10.800.000 Tonnen.
Die Einfuhr ist meist höher als die Ausfuhr, aber beide sind von ähnlicher Größenordnung: ca. 1.300.000-1.600.000 Tonnen Einfuhr und 1.000.000 - 1.400.000 Tonnen Ausfuhr.
Der Kartoffelverbrauch für Nahrungszwecke ist recht konstant und liegt bei 6.000.000 Tonnen. Die industrielle Verarbeitung steigt und liegt derzeit bei über 3.500.000 Tonnen.
Die regionale Verteilung der Produktion in Deutschland weist auf eine deutliche Zunahme in Niedersachsen hin. Dort befinden sich ca. 50 % der deutschen Anbaufläche. Bezüglich der neuen Bundesländer waren drastische Änderungen zu verzeichnen. Der früher hohe Verbrauch (bei hohem Anteil an Verlusten und Verfütterung) ist zurückgegangen, und noch mehr die Anbaufläche. In der ehemaligen DDR wurden 340.000 ha (1990) mit Kartoffeln bestellt und heute sind es nur noch 57.600 ha (Landesanstalt für Entwicklung der Landwirtschaft mit Landesstelle für landwirtschaftliche Marktkunde 1999).
Der überwiegende Teil der Kartoffeln wird im konventionellen Anbau erzeugt, nur knapp 1 % stammt aus dem Ökolandbau (Wendt et al. 1999 S. 57). Die erzielten Preise sind etwa doppelt so hoch wie aus konventioneller Erzeugung. Davon wurden 35 % direkt abgesetzt und weitere 35 % an 17 Erzeugergemeinschaften (Hamm und Michelsen 1999).

Die kartoffelverarbeitende Industrie hat einen Umsatz von ca. 1,7 Milliarden DM (ca. 50 Betriebe und 6000 Beschäftigte) und ist in folgendem Verband integriert:

Bundesverband der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie e.V.
Federal Association of the Fruit, Vegetable, and Potato Processing Industry
Von-der-Heydt-Straße 9 Tel.-Nr.: 0228 - 35 40 25
D-53177 Bonn Telefax: 0228 - 36 18 89
E-Mail: bogk-vdst@t-online.de
Ansprechpartner für die Gemeinschaftsforschung: H.-E. Brinkmann, Bonn

Treffpunkt der Kartoffelproduzenten sind kartoffelspezifische Messen.

http://www.potato2005.com
Potato 2005, as well as various websites affiliated with that, such as www.potatocongress.org, www.aardappelwereld.nl, www.nivaa.nl, www.potato.org.uk, and www.europoint-bv.com

Es gibt internationale Forschungsinstitute:

http://www.potatonews.com/potatoresearch.asp/ (Potato research Online)
http://www.cipotato.org/ (International Potato Center)
http://www.agro.wau.nl/eapr/ (European Association for Potato Research)

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Verzehr

Der Kartoffelverzehr liegt bei ca. 120 g/Person/Tag (wobei der Unterschied zwischen Mann und Frau nur sehr gering ist). Dagegen zeigt sich eine deutliche Altersabhängigkeit: ältere Personen (die über 50jährigen) essen deutlich mehr (ca. 160-170 g bei Männern, bei Frauen etwas weniger) (DGE 2000 Kap. 1).

Aus den Ergebnissen des Bundes-Gesundheitssurveys ergeben sich folgende Verzehrsmengen für Kartoffeln (Mensink et al. 1999):

Tab 1: Einnahme von Kartoffeln in Gramm pro Tag, Männer und Frauen in West- und Ost-Deutschland, Median (und 25. Und 75. Perzentil)

 

Alte Bundesländer

Neue Bundesländer

Männer (g/d)

129,6

128,2

Perzentile (25-75)

86-182

86-174

Frauen (g/d)

100,8

88,4

Perzentile (25-75)

64-142

58-126

(Quelle: nach Mensink et al. 1999)

Die Ergebnisse der Bayerischen Verzehrsstudien geben folgenden täglichen Kartoffelverzehr an:

Tab. 2: Täglicher Kartoffelverzehr in Gramm nach Alter und Geschlecht.

Geschlecht

Alter (in Jahren)

4-6

7-9

10-
12

13-
14

15-
18

19-
24

25-
50

51-
64

>64

Männer

59

49

62

62

93

72

64

88

106

Frauen

52

46

47

56

81

51

57

78

91

Davon Kartoffel-
erzeugnisse

                 

Männer

3

4

6

14

7

13

5

3

2

Frauen

6

3

3

-

11

7

3

1

2

(Quelle: nach Fischer 1999)

Wichtig wäre auch die Verteilung des Verzehrs davon (Perzentilen bzw. andere Darstellungen), wie viele doppelt so viel essen wie der Durchschnitt, wie viele Verbraucher meiden Kartoffeln. Diese Informationen sind nicht in den ausgedruckten Tabellen vorhanden, sondern müssten aus den Analysen der "Rohdaten" gewonnen werden.

Einkaufsorte: Hierzu gibt es umfangreiche Informationen im ZMP-CMA-Mafo-Brief K013 - Haushaltskonsum von Speisekartoffeln 1999, sowie aus dem GfK-Panel (die uns freundlicherweise von der GfK zur Verfügung gestellt wurden, die aber normalerweise nur gegen Bezahlung erhältlich sind) (ZMP 2000).

Deutliche Veränderungen sind beim Einkauf der Kartoffel festzustellen. Während früher ein großer Teil der Kartoffeln im Herbst vom Privathaushalt meist vom Erzeuger direkt erworben wurde, und im Keller/Vorratsraum eingekellert wurde, ist diese Gewohnheit erheblich zurückgegangen. Dies liegt auch daran, dass im Haushalt häufig keine geeigneten Kartoffel-Lagerräume mehr vorgehalten werden bzw. vorhanden sind. Trotzdem ist der Einkauf im September/ Oktober immer noch höher. Es zeigt sich ein saisonaler Verlauf (der früher für die meisten Lebensmittel charakteristisch war).

Außer-Haus Verzehr: 15 % der Kartoffeln werden bei Männern außer Haus verzehrt, bei Frauen sind es nur 6 % (DGE 2000 Kap. 1).
Die Rezepturen im Außer-Haus-Verzehr sind auch nicht bekannt, doch ist die Verwendung einiger Zubereitungen (bedingt durch die Vor- und Warmhaltezeiten) problematisch und andere Beilagen wie Teigwaren und Reis werden vorgezogen.
Die Beliebtheit der Kartoffel bei den Verbrauchern zeigt sich allein dadurch, dass es eine Reihe von Kartoffel-Spezialitäten-Restaurants in Deutschland gibt. Regionalspezifisch gibt es Kartoffel-Puffer-Imbiss Angebote.

Die Verwendung der Kartoffel im privaten Haushalt ist immer noch weitverbreitet. Die folgenden Angaben zur Verzehrshäufigkeit aus der Bayerischen Verzehrserhebung (Fischer 1999) deuten an, dass frittierte Kartoffeln in jüngeren Generationen häufiger verwendet werden .

Tab. 3: Verzehrshäufigkeit von Salz-/ Pellkartoffeln und Pommes frites/ Kroketten nach Geschlecht und Alter.

Alter in

Jahren

Verzehr von Salz-/ Pellkartoffeln

Verzehr von Pommes frites/Kroketten

täglich

wöch entl.

monatl.

nie

täglich

wöch entl.

monatl.

nie

Nennungen (in %)

Nennungen (in %)

Männer

 

14-24

0

57

43

0

0

71

29

0

25-50

4

85

10

0

0

23

56

21

>50

9

86

4

0

0

23

64

14

Frauen

 

14-24

0

75

25

0

0

25

69

6

25-50

5

79

15

0

0

27

53

20

>50

17

78

5

0

0

2

48

50

(Quelle: nach Fischer 1999)

Die Lagerung der Kartoffel stellt einige Ansprüche (dunkel, 4 Grad), die kaum noch ein Haushalt erfüllen kann. Genaue Angaben über die Vorratshaltung sind nicht bekannt.

Zwar wird der Hauptteil der verzehrten Kartoffeln im privaten Haushalt nach wie vor aus frischen Kartoffeln zubereitet, doch steigt der Anteil an teilvorgefertigten und vorgefertigten Kartoffelerzeugnisse kontinuierlich an.
Die verschiedenen Kartoffelsorten (Zucht, Zulassung durch das Bundessortenamt), sind für Verbraucher in warenkundlichen Publikationen zusammengestellt (frühe und späte Sorten, fest- und weichkochende, usw.) (aid 1998, Arnim 1987).
Es gibt kontinuierlich neue Sorten. Manche von ihnen könnten als "novel food" betrachtet werden, wie z.B. die Züchtung von blauvioletten Kartoffeln, die aus Peru stammen (in Frankreich von Feinschmeckern geschätzt), aber in Deutschland bisher noch keine Akzeptanz gefunden haben (Schmid 2000).

Die Kartoffeln können in vielen verschiedenen Zubereitungen für den Verzehr vorbereitet werden. Dafür gibt es viele Variationen von klassischen Rezepten:
- Pellkartoffeln
- Salzkartoffeln
- Kartoffel-Püree
- Kartoffel-Klöße
- Frittierte Kartoffeln (Pommes frites)
- Bratkartoffeln
- Kartoffel-Puffer
- Kartoffel-Auflauf
- Kartoffel-Suppe
- Kartoffel-Salat

Dabei kommen viele regionale, traditionelle Varianten vor. Der Kenntnisstand über die aktuelle Verbreitung dieser Zubereitungen im Privathaushalt ist fast unbekannt. Insgesamt gibt es bei der Kartoffelverwendung im Haushalt noch große regionale Unterschiede. Die Datenlage ist aber lückenhaft.
Der Hauptteil der Kartoffeln wird als Beilage bei warmen Mahlzeiten verzehrt ("Was den Italienern die Pasta, sind den Deutschen die Kartoffeln..."), doch hier verdrängen "moderne" Beilagen die Kartoffel. Das sind Reis und Teigwaren, und bei letzteren werden die "Pasta", die Teigware ohne Ei zum Trend (Risse 2000).
Ein spezieller Bereich der Verwendung der Kartoffel ist die Verwendung im "Snack-Bereich". Im Marketing zählt dies zu einem eigenen Sortimentsbereich, der sehr diversifiziert ist und häufig "high-tec"-Produkte (Extrusion) beinhaltet.

Zu den Verlusten bei der Verwendung der Kartoffel (z.B. Schälverluste) gibt es keine repräsentativen Informationen. Die Kartoffelverluste in der früheren DDR waren sehr hoch, aber offiziell nicht bekannt, da bedingt durch schlechte Qualität beim Kantinenessen (lange Warmhaltezeiten) viele Kartoffeln im "Schweinetrog" landeten.

Die Portionsgrößen bei Kartoffelzubereitungen sind empirisch repräsentativ nicht erfasst (bzw. aus den Ernährungsprotokollen der NVS nicht ausgewertet worden).

Für die Zubereitung im Haushalt gibt es eine Reihe von speziellen Kartoffel-Verarbeitungsgeräten (wie Kartoffelreibe, Kartoffelpresse, Kartoffelstampfer) (Hachfeld et al. 1999 S. 108f). Über die Zahl solcher Kleingeräte gibt es keine statistischen Angaben.

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Verbrauchereinstellungen und Verbraucherinformationen

Die Kartoffel (die ursprünglich aus Lateinamerika stammt) kann als ein typisches deutsches Grundnahrungsmittel angesehen werden. Das ist eine Innovation von unten, die durch Notzeiten bedingt wurde. Deshalb hat die Kartoffel trotz aller Wertschätzung auch Kennzeichen von negativen Vorstellungen, wie das Image eines Dickmachers oder als "Schweinefutter") (Arnim 1987).

Zu den Verbraucherinformationen zählt die Empfehlung, mehr Kartoffeln zu verzehren, d.h. täglich eine Portion Kartoffeln (ca. 250-300 g = 4 - 5 mittelgroße Kartoffeln) zu essen (wobei dies nicht nur "Pommes frites" und "Chips" sein sollen). Für weitere Informationen wird auf das aid-Heft zu Kartoffeln verwiesen (aid 1998).

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Quellen

  • aid (Auswertungs- und Informationsdienst für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten) Kartoffeln und Kartoffelerzeugnisse. Aid (Hrsg.), 14. Überarb. Aufl., Bonn, 1998

  • Arnim v. G. Göttergabe? Schweinefraß? Köstliche Knollen. Ob Granola, Sieglinde oder Grata - die Deutschen lieben ihre Kartoffeln. Die Zeit 37, 04.09.1987

  • DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) (Hrsg.) Ernährungsbericht 2000. Frankfurt/Main, 2000

  • Fischer K. Analyse der Ernährungssituation in Bayern auf der Grundlage der Nationalen Verzehrsstudie (1985-1989) und der Bayerischen Verzehrsstudie (1995), 391 S Studien zur Haushaltsökonomie Band 20 Peter Lang, Frankfurt/M. 1999

  • GfK Panel Services (Gesellschaft für Konsumforschung), Consumer Research, IRI/GfK Retail Services Molkereiprodukte. GfK Panel Services, Consumer Research, IRI/GfK Retail Services 3, 1999

  • Hachfeld R., Reisner S., Reschke K. Kartoffel. Kultur. Mythos. Gesundheit. Rezepte, 136 S Umschau / Braus Verlag 1999

  • Hamm U., Michelsen J. Analyse des europäischen Marktes für Öko-Lebensmittel. Informationen für die Agrarberatung 12, VII ff., 1999

  • Landesanstalt für Entwicklung der Landwirtschaft mit Landesstelle für landwirtschaftliche Marktkunde, im Auftrag des Ministeriums für ländlichen Raum Baden-Württemberg Agrarmärkte. Jahresheft 1999. Unterlagen für Unterricht und Beratung in Baden-Württemberg. Schwäbisch Gmünd 1999

  • Lebensmittelzeitung Frischkartoffeln weniger gefragt. Lebensmittelzeitung 4, S. 22, 2000

  • Mensink G.B.M., Thamm M., Haas K. Die Ernährung in Deutschland 1998. Das Gesundheitswesen 61 (Sonderheft 2), S200-206, 1999

  • Risse D. Rein in die Kartoffeln... Scanline 2, S. 4, 2000

  • Schmid W. Vitelotte bleibt doch ein Mauerblümchen. Stuttgarter Zeitung, 08.03.2000

  • Wendt H., Di Leo MC., Jürgensen M., Willhöft C. Der Markt für ökologische Produkte in Deutschland und ausgewählten europäischen Ländern: Derzeitiger Kenntnisstand und Möglichkeiten künftiger Verbesserungen der Marktinformation. Gemeinsames Arbeitsvorhaben des Instituts für Marktanalyse und Agrarhandelpolitik (FAL), Institut für Ökonomie der Ernährungswirtschaft (BAM), Institut für Ernährungsökonomie und -soziologie (BFE), 1999

  • ZMP (Zentrale Markt- und Preisberichtsstelle) Haushaltskonsum von Speisekartoffeln 1999. Marktanalyse ZMP-MAFO-Brief, 2000

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