AGEV - Arbeitsgemeinschaft Ernährungsverhalten e.V.

Lebensmittelnachfrage

Rahmen der Entwicklung

Die Nachfrage nach Lebensmitteln ergibt sich aus der Zahl der Menschen, multipliziert mit ihrem Bedarf. Die Prognose der Bevölkerungsentwicklung für Deutschland bis zum Jahr 2050 lautet: 70 Millionen statt jetzt 82 Millionen Einwohner (Statistisches Bundesamt, 2000). Dies bedeutet prinzipiell 15 % Rückgang in der Nachfrage, denn die Menschen in Deutschland sind gesättigt. 

Eigentlich sollte heute schon, gemäß den ernährungswissenschaftlichen Zielgrößen, die Nachfrage geringer sein (DGE, 2000). Zu viele Menschen sind "übersättigt" und leiden unter den Folgen des Überkonsums. Die Teile der Bevölkerung, die ein (physiologisches) Nahrungsdefizit haben, können (Armut) oder wollen (Ess-Störungen, Anorexia nervosa) diese nicht durch erhöhte Nachfrage ausgleichen.

Trotzdem sind Veränderungen möglich, sie werden auch von Seiten der Anbieter angestrebt (Marketing-Slogan: Ziel ist, die Satten wieder hungrig zu machen; vorhandene Zusatz-Bedürfnisse zu stimulieren und zu erfüllen). Weitere Nachfragesteigerung ist möglich, wenn wir Nahrung noch intensiver verschwenden wollen. Selbst bei Ausschluss solcher "Ernährungsziele", die aus ökologischen Gründen abzulehnen sind, gibt es Veränderungsmöglichkeiten. So kann es zu Umverteilungen zwischen den einzelnen Segmenten kommen, und manche werden aus der Sicht der Ernährungswissenschaft sogar empfohlen, z.B. mehr Obst und Gemüse und weniger Fleisch.

Hinsichtlich der Wirtschaftsprognosen in Deutschland zeigen sich zwei Tendenzen, die die Lebensmittelnachfrage gegenläufig beeinflussen. So gibt es Signale dafür, dass die Konjunktur besser wird und die Nachfrage steigt. Doch der Wettbewerbsdruck und die Konzentrations- und Übernahmeaktivitäten in der Lebensmittelindustrie und im Lebensmittelhandel, führen zu niedrigen Lebensmittelpreisen. Die meisten Verbraucher achten bei Lebensmitteln auf den Preis, nur bei bestimmten Gruppen oder in besonderen Situationen (z.B. Premiumqualität) kann ein höherer Preis erzielt werden, was zu wertmäßiger Nachfragesteigerung bei mengenmäßiger Stagnation führen kann (s.u.).

Der Wandel der gesellschaftlichen Werte hat ebenfalls Auswirkungen auf die Lebensmittelnachfrage. Es gibt keine klaren Einsichten darüber, wohin sich die gesellschaftlichen Werte entwickeln werden. Bei den Überlegungen und Studien darüber spielen auch immer normative Gesichtspunkte eine Rolle. Es hängt davon ab, welche gesellschaftlichen Ziele erreicht werden sollen, von welcher Seite man das "System" betrachtet, bzw. auf welcher Seite man steht. Im gegenwärtigen Trend sind die ökonomischen Werte: es muss sich "rechnen", aber nur kurzfristig und aus Eigen-Sicht. Langfrist-Kalkulationen liegen nicht im Trend, wirken eher störend, wie die Bezahlung von Folgekosten. Auch dies ist am Beispiel Ernährung sehr schön zu veranschaulichen. Das gute Essen schmeckt jetzt, wer wird dabei an "Latenzzeit-Wirkungen" von 30 Jahren denken (z.B. für die Krebsentstehung)?.

Das Verhalten von Menschen im allgemeinen ist nicht sehr rational, sondern eher widersprüchlich. Zwischen den Zielen, Normen und Regeln und dem realen Handeln liegen mehr oder weniger große Lücken. Im Bereich Ernährung und Essen sind diese eher überdurchschnittlich.

Verbraucher wissen, was "gesund" ist, richten sich aber nicht unbedingt danach (so wie die meisten Raucher nicht über die Gesundheitsgefahren auf der Verpackung aufgeklärt werden müssen, denn sie wissen es schon vorher). Essen soll einerseits einfach und schnell zubereitet werden können, dabei soll es natürlich, wenig bearbeitet, trotzdem aber haltbar sein; es muss gesund und frisch sein, natürlich schmecken und es soll zudem noch preiswert sein. Weiterhin sollte es Vertrautheit erwecken, aber doch Abwechslung bieten. Gut wäre es auch, wenn Nahrung schützen könnte, oder zumindest "Unterfunktionen" (bei Abwehrschwächen, körperlicher Performance, usw.) optimieren könnte. Das Angebot an Nahrung, das im Augenblick viel verspricht, findet bei Verbrauchergruppen Nachfrage. Gegenwärtige Trendprodukte sind "Functional Foods" und die pflanzlichen Inhaltsstoffe. Dabei werden auch Lebensmittel zu "Heilmitteln" stilisiert, aus einem Teilwert wird ein Allerheil-Wert gemacht. Jeder Menschen träumt und hofft auf einfache Lösungen im Alltag. So ist der Markt der "Heilmittel" auch im Bereich der Lebensmittelnachfrage ein beträchtlicher und ist schwer von echter präventiver Wirkung durch bessere Ernährung abzugrenzen. Dazwischen liegt der moderne "Wellness-Markt-Bereich" (Lebensmittel Zeitung Spezial 2000).

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Die Informationsgrundlagen

Als Informationsquellen zur Nachfrage nach Lebensmitteln dienen:

  1. Statistische Nachfrage

  2. Verbrauchserhebungen
    - Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS)
    - Kommerzielle Marktstudien

  3. Direkte Verzehrserhebungen

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Quellen

  • DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung), Österreichischer Gesellschaft für Ernährung (ÖGE), Schweizerische Gesellschaft für Ernährungsforschung (SGE), Schweizerische Vereinigung für Ernährung (SVE) (Hrsg.): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, Umschau/Braus, 1. Aufl., Frankfurt/M. 2000

  • Lebensmittelzeitung Spezial (Hrsg.): Deutscher Fachverlag, Vol. 2, Frankfurt/M. 2000

  • Statistisches Bundesamt (Hrsg.): in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und dem Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen, Mannheim (ZUMA). Datenreport 1999. Zahlen und Fakten über die Bundesrepublik Deutschland. Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe, Band 365 Bonn, 2000

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