AGEV - Arbeitsgemeinschaft Ernährungsverhalten e.V.

Die Entwicklung der Nachfrage nach Nährstoffpräparaten und sonstigem

 

Die Nachfrage nach freiverkäuflichen Nährstoffpräparaten (Vitamin- und Mineralstoffpräparate) ist steigend.


In dieser abschließenden Lebensmittelgruppe werden die Lebensmittel (-bestandteile) zusammengefasst, die nicht in die bisher beschriebenen (biologisch orientierten) Lebensmittelgruppen des Ernährungsberichtes 2000 (DGE 2000), aufgenommen sind. Diese haben zwar auch mengenmäßig keinen großen Stellenwert, aber entweder der Vollständigkeit halber (um das weite Feld der Lebensmittel abzustecken), oder wegen ihrer ökonomischen und ernährungsphysiologischen Bedeutung werden sie erwähnt.

Marktangebot und Verbrauch

Das Marktangebot und der Verbrauch von Mineralstoff- und Vitaminpräparaten ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Die Abgrenzung zu anderen Bereichen, wie funktionelle Lebensmittel und Heilkräuter und ebenso zu Arzneimitteln ist nicht einfach. Das gemeinsame Dach für diese Nachfrage besteht aus den Einstellungen der Verbraucher zu Gesundheit und Sicherheit, aber auch zu "Wellness" und dem Stimulieren von Reserven im Lebenskampf ("Doping im Alltag"). Neben den üblichen Vitaminen (A, B, C, E) und Mineralstoffen (Calcium, Magnesium, Eisen) werden zunehmend auch weitere Stoffe angeboten (Kreatin, Selen, Silicium, Melatonin u.v.a.m). Dies geht über in Angebote von obskurer Herkunft und bis hin zu Verbrauchertäuschung.
Neben den Gesundheits-, Wellness- und Fitness orientierten Besonderheiten, ist noch der Bereich der "extravaganten" und "kultigen" Lebensmittel zu betrachten, wie Insekten, Termiten, Heuschrecken, Algen (Spirulina) u.a.m.

Der Markt der rezeptfreien Arzneimittel (Selbstmedikationspräparate) wird auf ca. 15 Milliarden DM geschätzt. LZ Spezial (Lebensmittelzeitung Spezial 2000) hat 118 solcher Neuheiten (OTC- over the counter) aufgelistet: z.B. Apfelessig, Pu-Erh Tee, Kombucha oder Guarana.
Dazu kommen noch besondere Lebensmittel im Natur- und Biobereich wie z.B. Stutenmilch oder Bienen-Produkte (wie Gelee Royal). Hier gibt es eine Überlappung zu den ökologischen Lebensmitteln.

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Verzehr

Etwa 15 % der erwachsenen Männer und Frauen nehmen mindestens einmal wöchentlich Vitaminpräparate ein, die bereits beim Discounter erworben werden können. Ältere Verbraucher nehmen öfters solche Pillen (über 20 %), Frauen nehmen etwas mehr Mineralstoffpräparate (betrifft Eisen und Calcium) ein als Männer (Mensink und Ströbel 1999).

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Verbrauchereinstellungen und Verbraucherinformationen

Zunehmend mehr Verbraucher greifen zu Vitamin- und Nährstoffpräparaten, dies geschieht unter dem "Sicherheitsaspekt". Viele sind sich nicht sicher, ob sie nicht doch Ernährungsfehler machen, die durch solche Präparate ausgeglichen werden können.
Die rechtlichen Regelungen sind ungenügend und bessere Verbraucheraufklärung ist notwendig, um nicht falschen Versprechungen zu erliegen.
Die offizielle Meinung ist: diese Präparate sind bei normaler Ernährung und Lebensweise für Verbraucher überflüssig. Dies gilt jedoch auch für viele angereicherte, bzw. funktionelle Lebensmittel (Fischer und Döring 1999, Mensink und Ströbel 1999).

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Quellen

  • DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) (Hrsg.): Ernährungsbericht 2000. Frankfurt/Main, 2000

  • Fischer B., Döring A.: Häufigkeit der Einnahme von Vitamin- und Mineralstoffpräparaten. Ernährungsumschau 46 (2), 44-47, 1999

  • Lebensmittelzeitung Spezial (Hrsg.): Wellness. Das Geschäft mit dem Körperkult. Deutscher Fachverlag, Vol. 2, Frankfurt/M. 2000 

  • Mensink G.B.M., Ströbel A.: Einnahme von Nahrungsergänzungspräparaten und Ernährungsverhalten. Das Gesundheitswesen 61 (Sonderheft 2), 132-137, 1999


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