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Ernährungsverhalten Ernährungsverhaltensforschung
Ernährungsprävention
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Die Entwicklung der Nachfrage nach Lebensmitteln bei Senioren
Lebensmittelnachfrage und Essverhalten der SeniorenDie Informationen zur Nachfrage nach Lebensmitteln bei Senioren sind
als recht lückenhaft zu bezeichnen. Das war auch Anlass, im Rahmen des
Ernährungsberichtes 2000 eine Studie zur Ernährung älterer Menschen
durchzuführen (gefördert vom BMG). Dabei wurden repräsentativ
65jährige und ältere Personen, die in Privathaushalten leben,
untersucht. Die Ergebnisse dieser Studie werden zusammen mit den weiteren
Informationen zu dieser Verbrauchergruppe dargestellt: dem Kapitel 1 des
Ernährungsberichts 2000, sowie den Informationen aus dem
Ernährungssurvey des Bundes-Gesundheitssurveys. Die repräsentativen
Durchschnittsergebnisse weisen keine größeren Unterschiede zwischen den
Altersgruppen auf (DGE 2000 Kap. 5 , Mensink et al. 1999). Etwa ein Viertel der älteren Menschen geben an, eine spezielle Diät einzuhalten. Das sind in erster Linie fettarme Kostformen und Diabetesdiäten, andere Formen sind: salzarm, cholesterinarm und Reduktionskost. Die meisten (ca. 80 %) können sich mit Essen selbst versorgen, Essensdienstleistungen werden selten in Anspruch genommen (ca. 2-3 %). Ähnlich gering wird der Außer-Haus-Verzehr benannt (ca. 5 %) (DGE 2000 Kap. 5). Gerade bei der Beurteilung dieser Angaben muss nochmals auf die Schiefe und Lückenhaftigkeit der vorhandenen Informationen für diese große Bevölkerungsgruppe hingewiesen werden. Es sind fast nur Beschreibungen von "normalen" älteren Menschen vorhanden, sie leben und ernähren sich wie andere Erwachsene in Deutschland auch. Die Problemgruppen der Älteren, die sich nicht mehr alleine versorgen können, die funktionelle Störungen haben (feinmotorische Defizite, z.B. kein Ernährungsprotokoll mehr schreiben können), die arm sind, usw. wurden bisher nicht untersucht. Die kranken Alten sind häufig unterernährt und auch dieser Teil der Geriatrie findet zu wenig Beachtung (DGE 1996 Kap. 8, Krause 2000). Die Informationen zur Nachfrage von Lebensmitteln durch Senioren im Bereich der kommerziellen Marktstudien sind ähnlich "schief" orientiert, nämlich vor allem an dem Teil der Senioren, die gute Konsumenten sind (wie z.B. die well-off old people - die "Woopies"). Bis vor wenigen Jahren waren nur die "Jungen" (unter 40-50jährigen) im Focus der Marktforschung. Hinsichtlich der "alten" Menschen gab und gibt es viele Vorurteile, z.B. dass sie nur in Traditionen verharren und keine Neuerungen akzeptieren. Zwar sind Senioren eher kritische Kunden (z.B. gegenüber Werbung), aber auch sie können den Angeboten erliegen (z.B. Renterfahrten). Die "Best Agers" (40-59jährigen) gehen in die "Woopies"
über, beide haben hohe Kaufkraft und wachsende Konsumorientierung mit
ausgeprägtem Marken- und Qualitätsbewusstsein. Im Marketingbereich gibt
es bereits einige "altengerechte" Zielgruppen, wie: junge und
alte Alte, selbstbewusst kritische Alte, aktive flexible Alte, abgeklärte
zufriedene Alte und passive graue Alte (Infratest Burke 2000). Auch am Beispiel der Senioren zeigt sich die "Lückenhaftigkeit" der Ernährungsforschung in Deutschland im internationalen Vergleich (zu vergleichbaren Staaten in der europäischen Union). Es gibt bei uns kein Institut oder einen Lehrstuhl für die Ernährung der älteren Menschen. An internationalen Studien, wie z.B. der SENECA (Study, Nutrition and the Elderly in Europe), ist Deutschland selten beteiligt (da es an Forscherpotenzial fehlt) (de Groot et al. 1996). Unterstützung und Betreuung von Senioren
Es gibt großen Beratungs- und Bildungsbedarf, aber auch Bedarf an
Unterstützung ("Haushaltshilfen") und Betreuung (Pflege). Dies
ist ein Potenzial für Dienstleister im Bereich "Consulting für
Großhaushalte". Bedarf gibt es ebenso in der Beratung für private
Haushalte, die so organisiert und eingerichtet werden können, daß es
möglichst wenig praktische und ideelle Barrieren gibt, die die
Haushaltsführenden hindern, möglichst lange selbstständig zu bleiben.
Im Funktionsbereich "Ernährung" gibt es viele
zielgruppenspezifische Dienstleistungen, das betrifft nicht nur die
zielgerechte Ansprache und Orientierung beim Einkaufen, sondern auch
spezifische Service-Angebote, die nicht nur "Essen auf Rädern"
betreffen, sondern auch "Essen unterwegs" im Bereich
Freizeitgestaltung (Genießer-Touren, Erlebnis-Gastronomie). Der Umgang mit Lebensmitteln im Haushalt kann ebenso "barrierefreier" gestaltet werden, wobei spezielle Küchengeräte und bessere Anleitungen helfen. Dazu gehört auch die gezielte Möglichkeit der Verbraucherberatung für Senioren. Es werden viele gute, aber auch viele falsche Angebote gemacht. So gibt es viele "alten-funktionelle" Lebensmittel, die zu viel versprechen. Das betrifft alle Bereiche des Schutzes vor Krankheiten und Alterserscheinungen bis hin zum "Jungbrunnen". Solche "Altenhilfen" sind sehr personalintensiv, doch auch hier gilt es das Vorurteil - Senioren können und wollen nicht mit moderner Technik umgehen - abzubauen. Immerhin sind bereits 3 % der Internet-Surfer über 60 Jahre (Gaspar 1999, Thelen 2000). AusblickEin weiteres Aufgabenfeld stellt die spezifische "ernährungsmäßige"
Betreuung und Behandlung von kranken älteren Menschen dar. Hier muss es
zu einer besseren Zusammenarbeit zwischen Ärzten und speziell
klinisch-diätetisch ausgebildeten Oekotrophologen kommen. Es gibt
zunehmend mehr chronische Erkrankungen. Die
physiologischen Funktionen verändern sich, dies betrifft nicht nur die
Sinne (z.B. veränderte Geschmackswahrnehmungen), sondern auch die
Nährstoffbedürfnisse. Dafür sind entsprechende
Ernährungserhebungsmessungen (wie z.B. Mini Nutritional Assessment -
MINA) zu entwickeln und anzuwenden. Die Wirkung der Arzneimittel hängt
vom Ernährungszustand und dem Alter ab (Roe 1994). Dies leitet über zu
der Forderung nach einer spezifischeren Ernährungsforschung für den
Bereich ältere Menschen. Alle Ernährungsprogramme für Senioren müssen
auf einer Situationsanalyse aufbauen, die im Dialog mit der Zielgruppe
stattzufinden hat. Dazu werden "cultural sensitive" -Erhebungs-
und Interviewtechniken benötigt, d.h. "Sprache und Situation"
der Befragten müssen verstanden und nachempfunden werden
("Empathie"). Dabei sind hierarchische Kommunikationsstrukturen,
bei denen die ExpertIn alles weiß und der Ältere nichts, hinderlich.
Ebenso hindert es, wenn der Experte nur Nährstoffe im Kopf hat und die
komplexe Bedürfnisstruktur von Menschen vergisst. Mag diese Einstellung
bei der Zielgruppe "junger Mensch" noch irgendwo verständlich
sein, so muss, mit zunehmendem Alter der Zielgruppe, der
Ernährungsforscher auch in die Rolle des Lernenden schlüpfen. Es ist
banal: Senioren haben große Lebens- und Ernährungserfahrung.
Beispielsweise eine Seniorin, die über 80 Jahre alt ist und immer noch
selbstständig is(ß)t, kann in ihrem Leben keine großen
Ernährungssünden- bzw. -fehler gemacht haben. Die
Ernährungsepidemiologie sollte neugierig sein zu ermitteln und zu
fragen, wie sie das geschafft hat? Sie sollte ihre
Ernährungslebensgeschichte schildern, damit Jüngere davon lernen
können. Die ernährungsepidemiologischen Erfahrungen zeigen deutlich,
dass die ernährungspolitischen Ziele der Gegenwart, d.h. eine
Verminderung der modernen Zivilisationskrankheiten, zu deren Ursachen
immer Ernährungsfaktoren zählen, durch die Wiederentdeckung von
traditionellen Ernährungs- und Lebensweisen zu erreichen ist. Die vorgenannten Aufgaben im Bereich der Dienstleistungen für die Ernährung der Älteren und die notwendige Hinwendung zu altenspezifischer Ernährungsforschung sollten zu gesellschaftlichen, ernährungspolitischen Forderungen werden, die diskutiert werden müssen. Aus solchen Überlegungen heraus wurde in den USA 1995 das "National Policy and Research Center on Nutrition and Aging" gegründet (Wellmann et al. 1997). Die Umsetzung solcher Aktivitäten in Deutschland, die Konzipierung von Ernährungspolitik und Ernährungsprogrammen (für Ältere) ist notwendig. [siehe auch: Auswirkungen
der Ernährungs- und Gesundheitssituation von Senioren] Quellen:
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