Der Verbrauch an Speiseölen und -fetten hat in den letzten Jahren
deutlich zugenommen und liegt jetzt bei ca. 19 kg. Die Steigerung beruht
zum großen Teil auf der Zunahme von Speiseölen, während Margarine
konstant, mit leicht rückläufiger Tendenz, ist (50 g/Kopf/ Tag).
Es wurden im Jahr 1999 6,9 kg Margarine (-2,8 % gegenüber 1998), 12,0 kg
Speiseöle (+ 1,7 %) und 1,2 kg Speisefette (+ 9,1 %) verbraucht (DGE 2000).
Die Speiseölproduktion beträgt 2.734.000 Tonnen/Jahr, wovon 60,6%
Rapsöl, 27% Sojaöl, 7% Sonnenblumenöl und alle anderen 6% ausmachen.
Der Rapsanbau erstreckt sich auf eine Fläche von 1,2 Millionen Hektar
(rund 10% der gesamten Ackerfläche der BRD).
Einzelne Öle werden entweder als sortenreine Öle verkauft, andere gibt
es als undeklarierte Tafelöle und weitere Anteile werden zu Margarine
verarbeitet.
Im Lebensmittelhandel wurden ca. 135.000 Tonnen Speiseöle verkauft: davon
50.000 Tonnen Sonnenblumenöl, 40.000 Tonnen Tafelöl, das überwiegend
Rapsöle sind (ca. 85 %), gefolgt von 17.000 Tonnen Olivenöl und 9.000
Tonnen Maiskeimöl.
Der Markt für Ölsaaten in Deutschland (wie in der EU) wird stark von dem
weltweiten Sojabohnenmarkt beeinflusst. Sojabohnen werden in einer Menge
importiert, die ca. 75 % der deutschen Rapsernte entsprechen. Bei der
Sojabohne ist nicht nur das Öl wirtschaftlich wichtig, sondern auch das
Futterschrot (Eiweiß). Die Einfuhr von Ölsaaten nach Deutschland betrug
1998 5,12 Millionen Tonnen (davon 3 Millionen Tonnen Soja und 1,3
Millionen Tonnen Raps) (Landesanstalt für Entwicklung der Landwirtschaft
mit Landesstelle für landwirtschaftliche Marktkunde 1999).
Der jährliche Umsatz im Ernährungsgewerbe, das pflanzliche und tierische
Nahrungsfette erzeugt, liegt bei ca. 8,5 Milliarden DM (Margarine ca. 3
Mrd. DM) und es sind dort gut 5000 Personen beschäftigt (Margarine 3500)
(Statistisches Bundesamt 2000).
Einkaufsorte: In der Marktforschung werden die Speisefette und -öle
zusammen mit Butter in eine Kategorie genommen. So werden hier als
Beispiel GfK-Panel-Informationen angeführt, die für Butter und für die
pflanzlichen Fette zusammengelten.
41 % der Nahrungsfette werden beim Discounter erworben, ca. 35 % in
Verbrauchermärkten und ca. 20 % in kleinen
Lebensmitteleinzelhandelsgeschäften.
Die pflanzlichen Fette haben einen Anteil von ca. 55 % von allen
Nahrungsfetteinkäufen, davon wiederum sind ca. 60 % Margarine, 15 %
Spezial-Margarinen (z.B. Light), 15 % Speiseöle und ca. 10 % Speisefette.
Die Käufe der Speiseöle verteilen sich auf: Sonnenblumen- (ca. 35 %),
Pflanzen-/Tafel- (ca. 30 %), Distel-, Oliven- und Maiskeimöl (je ca. 10
%).
Der Verzehr pflanzlicher Fette und Öle liegt bei ca. 20 g/Kopf/Tag,
wobei der Verzehr in den neuen Bundesländern höher ist. Bei älteren
Verbrauchergenerationen gibt es viele Meider (z.B. ca. 50 % der Senioren
in Bayern meiden Margarine), während rund 25 % der Verbraucher täglich
Margarine essen. Dies sind tendenziell häufiger Frauen als Männer
(Fischer 1999).
Der Anteil des Außer-Haus-Verzehrs bei Speiseölen und -fetten liegt
bei 8 % (DGE 2000 Kap. 1).
Über die Zubereitung, Rezepte, Portionsgrößen und Verluste liegen
keine repräsentativen Informationen vor.
Die Einstellungen der Verbraucher zu Speiseölen sind sehr
differenziert und hängen stark davon ab, welches Produkt betrachtet wird.
Der große Markt der Speiseöle wird von wenigen großen Produzenten
umworben, wobei es jeweils viele "gesunde" Öle und Risikofette
gibt.
Die Informationen für Verbraucher sind verwirrend. Es gibt viele sich
widersprechende Argumentationen. Dies rührt daher, dass neben dem hohen
Energiegehalt (der eher negativ ist) auch positive Aspekt in der Wirkung
(z.B. hinsichtlich der Blutlipide) propagiert werden. So gibt es gesunde
und riskante Fette, fettreduzierte Varianten (Light Produkte - "Du
darfst"), natürliche (Butter) und technisierte, hydrierte
(Margarine, Transfettsäuren), und schließlich auch funktionelle
diätetische Produkte (z.B. Becel-Sorten). Food Design (Imitate) und
gentechnisch veränderte Ölsaaten sorgen für weitere
Informationsdimensionen. Wahrscheinlich ist in keinem anderen
Lebensmittelbereich die Kommunikationsdichte (zwischen Wissenschaft,
Herstellern, Marketing und Verbrauchern) so hoch wie im Bereich der
tierischen Fette (Milch/Butter) vs. der Pflanzenfette. Jedes Sortiment hat
seine eigene Publikations-, Kommunikationskette. Dieser Richtungsstreit
zwischen Tier- und Pflanzenfetten hat Geschichte.
Das Problem für die Verbraucher besteht aber nicht nur in der
richtigen Wahl zwischen "gesunden" und "riskanten"
Fetten, sondern auch im Konflikt zwischen der geschmacksverstärkenden
Wirkung der Fette und dem Verlangen (der Ernährungswissenschaft), weniger
Fett zu essen (und zu sein - also dem Kampf gegen die Pfunde).
Bei älteren Verbrauchergruppen hat nach wie vor die Butter ein gutes
Image, während bei Jüngeren imagemäßig "jüngere" Fette
bevorzugt werden: fettreduzierte Varianten und neue Brotaufstriche. Wobei
bei anderen Jungen die Butter mehr Natur und weniger Technik
repräsentiert (CMA 1998).
Die Verzehrsempfehlungen gehen dahin, insgesamt weniger Fette zu
konsumieren und den Anteil an (ungesättigten) Speiseölen zu erhöhen
(DGE et al. 2000).
Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft mbH (CMA)
(Hrsg.): Butter im Umfeld konkurrierender Fette. Kopien von 19 Charts aus
dem Referat von I. Sauerland. Marktanalyse CMAMAFO, Bonn 1998c
DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) (Hrsg.): Ernährungsbericht
2000. Frankfurt/Main, 2000
Fischer K.: Analyse der Ernährungssituation in Bayern auf der Grundlage
der Nationalen Verzehrsstudie (1985-1989) und der Bayerischen
Verzehrsstudie (1995), 391 S Studien zur Haushaltsökonomie Band 20 Peter
Lang, Frankfurt/M. 1999
Landesanstalt für Entwicklung der Landwirtschaft mit Landesstelle für
landwirtschaftliche Marktkunde, im Auftrag des Ministeriums für
ländlichen Raum Baden-Württemberg: Agrarmärkte. Jahresheft 1999.
Unterlagen für Unterricht und Beratung in Baden-Württemberg. Schwäbisch
Gmünd 1999
Statistisches Bundesamt Landwirtschaft und Fischerei. 8.11.2000
(http://www.statistik-bund.de/basis/d/forst/forstueb.htm)