AGEV - Arbeitsgemeinschaft Ernährungsverhalten e.V.

Ernährungsziele

Es gibt eine Reihe möglicher Ernährungsziele, die verfolgt werden können. Dies gilt erst einmal für die Essenden selbst. Für sie kommt es zunächst einmal darauf an, "dass es schmeckt" (Teuteberg 2007). Weitere Ziele, die der Essende mit seiner Art, sich zu ernähren, verfolgen kann, sind beispielsweise Sättigung, Gesundheit, Wellness oder Leistungssteigerung. Eine Reihe von Verbrauchern berücksichtigt beim Kauf ihrer Lebensmittel auch die Art der Lebensmittelproduktion. Dann können Aspekte wie etwa Regionalität, ökologische Nachhaltigkeit, Lebensmittelsicherheit oder Fair Trade eine bedeutende Rolle spielen (Barlösius 2004). Manche Konsumenten weisen ferner eine besondere Affinität zu Innovationen oder Technik auf und wollen beim Essen Neues erleben oder folgen aktuellen Ernährungstrends (Sigirst 2005).

Ebenfalls nicht unterschätzt werden sollte die vergemeinschaftende Komponente der Mahlzeit: 88 Prozent der Bevölkerung genießen Essen zumeist zusammen mit anderen (Nestlé 2009). Ist dies nicht möglich, tut es dann oftmals auch die Ernährung mittels eines schnellen, zeitsparenden Snacks.

Jedoch verfolgen nicht nur die Essenden selbst Ernährungsziele: Sie werden vielmehr von einer Reihe unterschiedlicher Akteure mit unterschiedlichen, gar widersprüchlichen Interessen definiert und kommuniziert. Staatliche Organisationen und Gesundheitsverbände sind etwa daran interessiert, ihre Vorstellungen einer gesunden Ernährung in den Vordergrund zu rücken, Bauernverbände wünschen sich einen höheren finanziellen Einsatz der Konsumenten, Lebensmittelunternehmen wollen neue Märkte und Verbrauchergruppen erschließen und Naturschützer fordern bei der Ernährung eine erhöhte Rücksichtnahme auf die Umwelt. Auch unterschiedliche Wissenschaften formulieren unterschiedliche Ernährungsziele, ohne aber vielfach ihre eigenen Begrenzheiten und Einseitigkeiten mit zu bedenken.

Die moderne Gesellschaft vereint all diese verschiedenen Ernährungsziele, im Alltag müssen sie praktisch miteinander in Beziehung gebracht werden. Aufgabe der Ernährungswissenschaft muss es deshalb sein, diese gleichzeitig ablaufenden Prozesse und ihre Wechselwirkungen zu analysieren und für andere an Ernährung interessierte Akteure aufzubereiten.

Literatur

  • Barlösius, Eva (2004): Ernährungsziele - Ein Kommentar aus Sicht der soziologischen Ess-Forschung. (PDF)

  • Nestle (2009): Nestlé Studie 2009. So is(s)t Deutschland, Frankfurt a.M.

  • Sigrist, Stephan (2005): Food Fictions: Radikale Food Trends, Rüschlikon /Zürich

  • Teuteberg, Hans Jürgen (2007): Die Geburt des modernen Konsumzeitalters - Innovationen der Esskultur seit 1800. In: Freedman, Paul (Hrsg.) (2007): Essen - Eine Kulturgeschichte des Geschmacks, Darmstadt. S. 232-261


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